Unsere tägliche Dosis Bakterien

Wie hygienisch ist unsere Umwelt? «Einstein»-Moderator Tobias Müller geht auf Bakterien-Jagd: Wo im Alltag lauern am meisten Keime? Neun Klatschproben entnimmt er aus seiner unmittelbaren Umwelt. Mikrobiologe Adrian Härri hat sie untersucht und kommt zu überraschenden Ergebnissen.

BildlegendeDer Kühlschrank der «Einstein»-Redaktion: eine Bakterienschleuder!

Der Kühlschrank ist meist die grösste Bakterienschleuder in der Küche. Auch im Kühlschrank der «Einstein»-Redaktion findet Molekularbiologe Adrian Härri viele Bakterien. Allerdings keine problematischen wie zum Beispiel Fäkalbakterien. Trotzdem empfiehlt er, den Kühlschrank öfters zu reinigen, mindestens einmal im Monat – und dann eventuell auch gleich zu desinfizieren.

BildlegendeHaltestange im Tram: kaum Bakterien, lediglich 3 Stück.

Tausende von schmutzigen Händen berühren täglich diese Stange im Tram. Tobias Müller denkt: der ideale Nährboden für Bakterien. Hier vermutet er sogar Fäkalbakterien. Falsch: Das Labor findet hier kaum Verunreinigungen, nämlich nur drei Bakterien, alle unproblematisch. Auch Adrian Härri ist erstaunt. Eventuell wurde die Stange erst kürzlich gereinigt.

BildlegendeEin Bankomat in Zürich: 150 Bakterien

Die Tasten des Bankomats müssen auch einiges an Berührung ertragen, gereinigt werden sie aber so gut wie nie. Tobias Müller ist gespannt, was sich hier so tummelt. 150 Bakterien hat der Mikrobiologe gefunden. Diese sind zwar gemäss Adrian Härri relativ bedenkenlos. Er würde sich aber trotzdem wünschen, dass die Banken ihre Automaten öfter mal reinigen würden. Vielleicht einmal im Monat.

BildlegendeZahnbürste von Tobias Müller: 460 Bakterien

Zahnpasta wirkt bekanntlich antibakteriell und sollte unsere Bürsten eigentlich von kleinen Tierchen befreien. Weit gefehlt: Von der Zahnbürste des «Einstein»-Moderators stammt die Klatschprobe mit den meisten Keimen, sie enthält ganze 460 Bakterien. Problematisch für die Gesundheit sind sie zwar nicht, trotzdem empfiehlt Härri, die Zahnbürste öfter zu wechseln. Auch er hätte hier nicht so viele Keime erwartet.

BildlegendeTürfalle der Toilette im Schweizer Fernsehen: rund 200 Keime

Die Türfalle der Toilette wird kaum gereinigt, denn hier vermutet niemand allfällige Mikroorganismen. Schliesslich waschen wir uns doch alle nach dem Toilettengang die Hände. Oder etwas nicht? Mikrobiologe Härri findet hier doppelt so viele Bakterien wie auf der WC-Brille. Fazit: Bakterien sitzen nicht immer dort, wo man sie erwartet. Und vor allem Türfallen in Toiletten sind mit Vorsicht zu geniessen.

BildlegendeWC-Brille der Toilette im Schweizer Fernsehen: 100 Keime

Tobias Müller findet die WC-Brille ziemlich eklig. Warum muss er gerade hier eine Probe nehmen? Aber, ist ein öffentliches WC tatsächlich so unhygienisch, wie man vermutet? Diese WC-Brille im Schweizer Radio und Fernsehen ist ziemlich sauber. Lediglich 100 verschiedene Bakterien hat der Molekularbiologe hier gefunden, keine einzige Fäkalbakterie. Das erstaunt Adrian Härri nicht. Die meisten Menschen duschen regelmässig und sind sauber, wenn sie sich aufs Klo setzen.

BildlegendeWeihwasser des Kloster Einsiedelns: 40'000 Bakterien

Das Weihwasser in der Klosterkirche Einsiedeln symbolisiert auch Reinigung. Doch wie rein kann es sein, wenn täglich hunderte von Fingern hineintauchen? 40'000 Keime pro Milliliter hat das Labor gefunden. Das Wasser ist zwar verunreinigt, aber nicht in einem beunruhigendem Masse.

Adrian Härri findet das Wasser gar erstaunlich sauber, es enthält zum Beispiel keinerlei Fäkalbakterien. Er sagt, man könne es sogar bedenkenlos trinken. Zum Vergleich: Eine Cremeschnitte dürfe bis zu einer Million Bakterien pro Gramm aufweisen und die hygienischen Mindestanforderungen seien noch erfüllt, so Härri. Von der Klosterkirche erfahren wir dann auch, dass das Weihwasser aus hygienischen Gründen regelmässig gewechselt wird.

BildlegendeFrisch gewaschenes Sport T-Shirt von Tobias Müller: 19 Bakterien

Frisch aus der Waschmaschine kommt dieses Sport T-Shirt von Tobias Müller – gewaschen bei 40 Grad. Doch ist es wirklich sauber? Auch hier entdeckt Molekularbiologe Adrian Härri einige Bakterien. Es sind 19 Stück. Das findet er allerdings nicht weiter schlimm. Auch auf frischgewaschenen Kleidern dürfe es ein paar Keime haben. Keimfrei sei Wäsche nur, wenn man sie bei 90 Grad wasche.

BildlegendeFamilienring von Tobias Müller

Bakterien mögen es gerne warm und feucht und fühlen sich deshalb puddelwohl auf dem Familienring von Tobias Müller. Auch beim Händewaschen lassen sie sich nicht einfach entfernen. Das zeigt die Klatschprobe eindrücklich: Rund um den Ring wimmelt es von Mikroorganismen. Härri rät, beim Händewaschen den Fingerring ab und zu auch auszuziehen und mitzuwaschen.

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