Energiewende: Das Goms macht vorwärts

Die Talschaft im Oberwallis will bis zum Jahr 2030 den überwiegenden Teil ihres Energieverbrauchs aus Sonne, Wind, Biomasse und Wasser decken. Ein ehrgeiziger Plan – doch nach fünf Jahren Arbeit ist man auf gutem Weg, das Ziel zu erreichen.

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Goms wird zur energieunabhängigen Talschaft

11 min, aus Einstein vom 4.10.2012

Die Vision der Energieregion Goms nimmt immer konkretere Formen an. Photovoltaik auf Lawinenverbauungen oberhalb von Bellwald, eine neue Holzschnitzelheizung, welche die gesamte Gemeinde Ernen mit Wärme versorgt, ein neues Wasserkraftwerk in Fiesch oder die höchstgelegene Windkraftanlage der Alpen auf dem Griespass: Das sind Leuchtturmprojekte, die weit über das Oberwallis hinaus strahlen.

Projekte zur Energieproduktion aus erneuerbaren Quellen sind im Goms überall geplant, in Bau oder bereits in Betrieb. Die Vision vom energieunabhängigen Tal war beim Verein Unternehmen Goms zwar schon lange vor Fukushima entstanden. Aber die Katastrophe in Japan und der geplante Ausstieg aus der Atomenergie in der Schweiz verliehen dem Projekt Energieregion Goms zusätzlichen Schub.

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Dionys Hallenbarter von Energieregion Goms zur Arbeitsweise.

0:32 min, vom 2.10.2012

Stromproduktion in fremder Hand

Zu Beginn brauchte es viel Überzeugungsarbeit und lange Diskussionen. Die Initianten der Energieregion mussten 14 Gemeindebehörden und die Bevölkerung für ihre Idee gewinnen. Das war nicht ganz einfach: «Zu Beginn hat man sich etwas ratlos angeschaut», sagt Dionys Hallenbarter, Mitbegründer des Vereins, gegenüber «Einstein». Man nutze ja die Wasserkraft im Goms bereits, bekam er von den Gemeindebehörden zu hören. Das stimmt. Nur gehören die grossen Wasserkraftwerke in der Region nicht den Gommern, sondern auswärtigen Stromkonzernen.

Deshalb muss auch das Goms seinen Energiebedarf auswärts einkaufen. Heute verbrauchen die 5200 Bewohnerinnen und Bewohner zusammen mit den Touristen gut 150 Gigawattstunden Energie aus Wasserkraft, Sonne, Holz, fossilen Brennstoffen und Erdwärme. Nur etwa ein Drittel der Produktion dieser Energie gehört den Gommern – der Rest muss zugekauft werden.

Riesiges ungenutztes Potenzial

Heute stehen alle Gemeinden hinter dem Projekt und die Hauptaufgabe des Vereins hat sich verlagert – von der Überzeugungsarbeit hin zu Koordination und Vernetzung. Der Verein Unternehmen Goms liess ein Energiekonzept erstellen. Die Studie ermittelte das wirtschaftlich nutzbare Potenzial, und die Ergebnisse sind eindeutig und beeindruckend: Aus Wind, Sonne, Holz und Wasser lassen sich insgesamt weit über 500 Gigawattstunden Energie pro Jahr produzieren.

Natürlich spielen neben ökologischen Faktoren auch wirtschaftliche Interessen mit. Berechnungen im Energiekonzept gehen für das Jahr 2008 für das Goms von Energiekosten von 21 Millionen Franken aus. Diese Summe könnte mit den Plänen der Energieregion beinahe halbiert werden. Fossile Brennstoffe für die Mobilität müssten allerdings weiterhin eingekauft werden.

Millionen durch Export von Strom?

Noch wichtiger wären jedoch die Exporterlöse: Auf 56 Millionen Franken schätzt die Studie die möglichen Exporteinnahmen für das Goms. Zusammen mit energiesparenden Massnahmen würde sich der ökonomische Mehrwert für das Tal im Vergleich zu heute auf etwa 70 Millionen belaufen. Von diesem Potenzial verspricht man sich weitere wirtschaftliche Vorteile für die ganze Region. Und was für das Goms gilt, gilt für viele andere Alpenregionen auch: Die Energieressourcen sind vorhanden. Aber es braucht Initiative, sie anzuzapfen und zu nutzen.

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Werbung für die Region: Initiant Thomas Aufdereggen.

0:17 min, vom 2.10.2012