Lauberhorn-Piste aus reinem Naturschnee – unvorstellbar!

Egal ob in Bormio, Kitzbühel oder kommendes Wochenende am Lauberhorn: Die Pisten für die Weltcup-Rennen im Skizirkus werden heute mit Kunstschnee präpariert. Der Grund: Naturschnee genügt den Anforderungen nicht.

Pistenpräparation am Lauberhorn. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Pistenpräparation am Lauberhorn: Per Injektionsbalken wird Wasser in die Piste geschossen. Verein Int. Lauberhornrennen Wengen

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WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF

Die Aufnahme im Mikro-Computertomograph des Kältelabors des Instituts fürs Schnee- und Lawinenforschung zeigt den Unterschied zwischen technischem Schnee (links) und Neuschnee.

Schon seit Wochen kümmern sich die Pistenfahrzeuge und Dutzende Helfer um perfekte Pisten für die Lauberhorn-Rennen vom kommenden Wochenende. Dabei wird fast ausschliesslich mit technischem Schnee, umgangsprachlich Kunstschnee, präpariert. «Eine Abfahrtspiste muss heute eine Schneedichte von 500 bis 620 Kilogramm pro Kubikmeter aufweisen, also extrem hart sein», sagt Urs Näpflin, technischer Leiter des Lauberhorn-Rennens. «Würden wir Naturschnee mit den Pistenmaschinen verdichten, erreichten wir lediglich 200 bis 300 Kilogramm pro Kubikmeter.»

Solche Werte mochten vor einigen Jahrzehnten noch genügen. Damals «rutschten» die Fahrer noch um die Kurven und lösten damit lediglich einen oberflächlichen Pisten-Abrieb aus. Die heutigen Hightech-Carvingski mit messerscharfen Kanten fressen sich dagegen richtiggehend in den Schnee. Eine Naturschnee-Piste wäre daher bei einem Weltcup-Rennen schon nach wenigen Fahrern unbrauchbar.

Wasser in die Piste schiessen

Kunstschnee allein schafft die nötige Pisten-Härte allerdings noch nicht. Über einen sogenannten Injektionsbalken, den die Helfer schrittweise über die Piste schieben, wird am Lauberhorn Wasser mit bis zu acht bar Druck in die Schneedecke geschossen. «Das bewirkt, dass das Wasser bis in die Tiefe verteilt wird, statt nur an der Oberfläche zu bleiben», erklärt Urs Näpflin. Das Schnee-Wassergemisch gefriert nachher. Es entsteht eine harte, eisige Piste, die den bissigen Carvingski-Kanten der Ski-Elite einiges entgegenzusetzen hat.

Längere Strecke, engere Kurven

Die dank Kunstschnee harten Pisten, gepaart mit immer besseren Ski und Fahrtechniken, haben dazu geführt, dass die Höchsttempi bei den Profi-Rennen stetig gestiegen sind. Vor allem ab Ende der 90er-Jahre, als die Ära der Carving-Ski begann, konnten Kurven plötzlich nahezu ohne Tempoverlust gefahren werden.

Ein gutes Beispiel dafür findet sich auch auf der Lauberhorn-Abfahrt: Die Fahrer kamen, dank den taillierten Ski, ohne viel Tempo eingebüsst zu haben aus der Kurve oberhalb vom berüchtigten Hanegg-Schuss. In der folgenden Tempo-Passage erreichten sie dadurch teilweise Spitzengeschwindigkeiten von nahezu 160 Kilometern pro Stunde.

Zu schnell und zu gefährlich für den internationalen Skiverband FIS; er trat auf die Bremse. Die Folge: Unter anderem die Lauberhorn-Abfahrt erfuhr in den letzten Jahren mehrere Veränderungen. «Viele Kurven wurden in die Breite gezogen, die Radien enger gemacht», erläutert Urs Näpflin. Das bewirkte, dass das Tempo passagenweise – auch vor dem Hanegg-Schuss – sank und die Höchstgeschwindigkeiten purzelten. Daher dürfte der Streckenrekord von 2:24.23 des Italieners Kristian Ghedina aus dem Jahr 1997 unantastbar sein. Denn die Abfahrt sei durch all die Massnahmen heute rund 300 Meter länger als noch vor 15 Jahren, so Näpflin. Das bestätigt der Vergleich: Beat Feuz, der Gewinner von 2012, erreichte das Ziel nach 2:35.31 Minuten.