Fargo – die Serie

1996 gelang Ethan und Joel Coen mit der Provinznest-Posse «Fargo» ein Kulthit. Noah Hawley startete 2014 den Versuch, die Filmidee als TV-Serie weiterzuführen. Für die zehn Episoden voller Absurditäten und schwarzem Humor gab es Preise zuhauf und eine Verlängerung um bislang zwei Staffeln.

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Bildlegende: Die Serie Fargo SRF

Am Anfang stand die verrückt Idee von Drehbuchautor und Produzent Noah Hawley, der aus der rabenschwarzen Provinz-Farce «Fargo» von 1996 eine Serie machen wollte. Die Filmwelt reagierte zunächst mit ungläubigem Staunen, doch die Schöpfer des Filmes, die Brüder Ethan und Joel Coen («The Big Lebowski»), sahen das Potential, gaben grünes Licht und stiegen als Produzenten mit ins Boot.

Was die Serie mit dem Film verbindet ist einerseits das Provinzstädtchen Fargo (North Dakota), in das die ganzen Mordsgeschichten schliesslich auf verschlungenen Wegen immer wieder münden. Andererseits ein Geist der Niedertracht, der dafür sorgt, dass gewöhnliche kleine Leute, die als gebeutelte Kreaturen ein tristes Alltagsleben fristen, plötzlich mit Mord und Totschlag konfrontiert werden.

Im Film waren es zwei unterbelichtete Kriminelle gewesen, die ein mörderisches Räderwerk am Laufen hielten, das zum Schluss nicht nur ihren trotteligen Auftraggeber (legendär: William H. Macy als Jerry Lundegaard) sondern auch sie selbst zermalmte. In Serien-Staffel Eins hingegen – die als abgeschlossene Story angelegt ist – kommt das Böse in der Gestalt des manipulativen Finsterlings Lorne Malvo (Billy Bob Thornton) in das nahe bei Fargo liegende Bemidji, wo er ein hinterhältiges Spiel mit Versicherungsvertreter Lester Nygaard (Martin Freeman) aufzieht, und diesem so den Weg in den Untergang weist.

Lester ist ein armes Schwein, auf dem herumzutrampeln sich all die anderen Provinzgockel und –hennen einen grausamen Spass machen. Von kleinstädtischer Nachbarschaftshilfe ist wenig zu spüren, vielmehr ist es latente Mordlust, die den Gang der Dinge diktiert. In dieser trüben Atmosphäre trifft Malvo im Krankenhaus zufällig auf den kurz zuvor von einem seiner alten Mitschüler verprügelten Lester. Aufgrund eines Missverständnisses glaubt Malvo, dass Lester seinen Peiniger umbringen lassen möchte. Gesagt, getan…

Im Vorspann zum Film von 1996 suggerierten die Coen-Brüder, dass es sich um eine wahre Begebenheit handelt, die ihrer Geschichte zugrunde liegt. Ein Witz, denn die Story war frei erfunden. Das Spiel mit der Alltagsrealität, «ewigen» Themen, Absurditäten, tragisch-komischen Verstrickungen und einer kalt drehenden Schicksalsmaschine wird in der Serie weitergetrieben, und auch das Spektrum an miesen Charakteren wurde ausgedehnt, so dass die Serie längst mehr ist, als bloss die aufgepumpte Version des Filmes.

Ein weiteres Plus der Serie ist ein Schauspielerensemble das begeistert. Billy Bob Thornton, der als Strippenzieher sein Geschäft mit beiläufig-mörderischer Gelassenheit betreibt, ist schlicht genial. Martin Freeman als tapsiger Versicherungsvertreter bildet dazu den perfekten Gegenpol. Dazu Newcomerin Allison Tolman, die als ermittelnde Polizistin Molly etwas Restwärme vermittelt. Mit Colin Hanks, Keith Carradine oder auch Bob Odenkirk sind weitere namhafte Akteure daran beteiligt, die Welt von «Fargo» in einen Ort zu verwandeln, an dem man aus eher zweifelhaften Gründen gerne verweilt.