Agentenfilm ohne Schnickschnack

Die John le Carré-Neuverfilmung «Tinker Taylor Soldier Spy» wirkt wie ein altmodischer Agentenfilm, ist in seiner intelligenten Figurenzeichnung jedoch höchst modern.

Eine von drei Oscar-Nominationen geht auf das Konto von Gary Oldman, Darsteller des Meisterspions George Smiley.
Bildlegende: Eine von drei Oscar-Nominationen geht auf das Konto von Gary Oldman, Darsteller des Meisterspions George Smiley. Ascot Elite

«Es gibt keine Gadgets, keine technischen Spielereien, keinen Aston Martin und keine Frauen», meint Gary Oldman, der den Protagonisten George Smiley spielt. «Ironischerweise sei es Georges Frau, die häufig den Partner wechsle.»

Tatsächlich hat «Tinker Taylor Soldier Spy» ausser dem britischen Geheimdienst nichts mit den James-Bond-Filmen gemeinsam. Es geht weder um spektakuläre Action noch um exotische Schauplätze.

Kalter Krieg

Vielmehr geht es um das Klima des Kalten Kriegs, um Paranoia und um jene Menschen, die zwar den Agentenberuf ausüben, deswegen aber keine Übermenschen à la 007 werden, sondern ihre Schwächen wie eh und je behalten.

Und diese Schwächen machen sie manipulierbar, manche mehr, andere weniger. Damit spielen beide Seiten, die Russen ebenso wie die Briten. Das Spiel ist simpel und heisst «Doppelagenten».

Quälend langsam

George Smiley soll einen Maulwurf in den eigenen Reihen ausfindig machen. Was er bei seinen Ermittlungen alles aufdeckt, versetzt selbst ihn als alten Spionage-Hasen in Erstaunen. Nur wir Kinobesucher staunen vielleicht nicht besonders.

Denn «Tinker Taylor Soldier Spy» erzählt diese Agentengeschichte quälend langsam. Erst nach über einer Stunde nimmt der Film langsam Fahrt auf. Bis zum Höhepunkt, als der «Held» aus lauter Nervosität ein Pfefferminzbonbon nehmen muss.

Autor/in: Reto Baer