Aschenbrödels böses Erwachen

Als Geschichte von Menschen unterschiedlicher Gesellschaftsschichten funktioniert Cédric Klapischs «Ma part du gâteau» recht gut, als Sozialkritik wirkt der Film indes etwa so vielschichtig wie eine politische Diskussion am Stammtisch vom Hirschen.

Als Haushälterin von Steve (Gilles Lelouche) erhält France (Karin Viard) einen Einblick in die Hochglanz-Welt der Reichen.
Bildlegende: Als Haushälterin von Steve (Gilles Lelouche) erhält France (Karin Viard) einen Einblick in die Hochglanz-Welt der Reichen. Frenetic

Weil die Fabrik geschlossen wird, muss sich France (Karin Viard) nach einem neuen Job umsehen. Sie versucht es in Paris und wird fündig. Der Broker Steve (Gilles Lelouche) stellt sie als Haushälterin an und bezahlt sie gut.

Cédric Klapisch, der vor allem für Ensemble-Komödien wie «L'auberge espagnole» bekannt ist, inszeniert den Gegensatz zwischen dem stinkreichen Börsenhai und der armen Büezerin gekonnt. Alles scheint auf eine Lovestory zwischen den beiden hinzudeuten.

Klassen- und Charakterunterschiede

Doch als France herausfindet, dass Steve nicht nur hinter der Schliessung «ihrer» Fabrik steckt, sondern sie auch schamlos ausnutzt, beschliesst sie, sich zu rächen. Hier kippt der eher leichte Ton des Films ins Dramatische.

Man nimmt der Figur France ihre Rache nicht ganz ab. Schade auch, dass die anfänglichen Zwischentöne am Ende der Schwarzweissmalerei weichen. Ansonsten ist «Ma part du gâteau» ein unterhaltender Film über Klassen- und Charakterunterschiede.

Autor/in: Reto Baer