Bitterböser Trip durch Zürich

Der Schweizer Film «Mary und Johnny» ist eine Adaption des Theaterstück «Kasimir und Karoline» von Ödön von Horváth. Eine unterhaltsame und moderne Umsetzung des deutschen Volksstücks aus dem Jahr 1932.

In den Hauptrollen: Nadine Vinzens und Philippe Graber.
Bildlegende: In den Hauptrollen: Nadine Vinzens und Philippe Graber.

Die Geschichte dreht sich um Mary und Johnny, welche gemeinsam ans Züri Fäscht gehen. Mary freut sich sehr auf eine lange und ausgelassene Party-Nacht, aber Johnny wird zum Spielverderber. Er hat am selben Tag seinen Job verloren und ist einfach nur schlecht drauf. Es kommt wie es kommen muss, die Beiden haben einen grossen Streit und gehen getrennte Wege.

Johnny widmet sich fortan für den Rest der Nacht dem Alkohol. Er und sein Kollege geraten in eine Schlägerei, so dass sogar die Polizei eingreifen muss. Mary hingegen torkelt beflügelt von Koks und Alkohol in die Arme von komischen Typen, welche sie alle nur ausnützen wollen.

Geprägt von der Wirtschaftskrise

Die beiden jungen Regisseure Julian M. Grünthal und Samuel Schwarz haben ihre Wurzeln im Theater. Es ist deshalb nicht überraschend, dass sie für ihren ersten Film ein Theaterstück adaptieren. Der Autor von "Kasimir und Karoline", Ödön von Horváth, schrieb das Stück geprägt von der Weltwirtschaftskrise 1929, um deren Einfluss auf die menschlichen Beziehungen darzustellen.

Heute ist die wirtschaftliche Zukunft ungewiss, die Geschichte könnte sich so in Zürich wiederholen. Mary gerät im Film an machtbesessene Männer, welche sie wie eine Marionette tanzen lassen. Mary hat keine Chance dem Fifa-Funktionär Sepp zu entkommen. Männer wie er haben Geld, und wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt haben, dann bekommen sie es auch.

Sehr gute Schauspieler

Überraschen können auch die Schauspieler. Der sehr gute Cast überzeugt mit tollen Leistungen bis in die Nebenrollen. Aber auch die beiden Hauptdarsteller Philippe Graber (Der Freund) und Ex-Miss Schweiz Nadine Vinzens machen ihren Job sehr gut.

Das grosse Problem des Filmes ist jedoch, dass es keine Figuren gibt, mit der man als Zuschauer sympathisieren könnte. Johnny ist ein weinerlicher Loser und Mary ein dämliches Drogen-Tussi. Als Zuschauer interessiert es einem nicht, was mit den Beiden passiert. Für den Film ist dies verheerend, denn die Geschichte baut komplett auf Mary und Johnny auf.

«Mary und Johnny» ist ein bitterböser Trip durch Zürich. Die zynische Erzählweise und die tolle Kameraführung machen aus dieser langen Nacht eine unterhaltsame Tour de Force. Ein Film der trotz fehlender Figuren-Sympathie in Bann zu ziehen vermag.

Redaktion: Jérôme Brunner