Charlotte Rampling: Sehen und gesehen werden

Der Dokumentarfilm «Charlotte Rampling - The Look» geht neue Wege, indem er kein biografisches Porträt liefert, sondern die britische Schauspielerin mit Weggefährten über Gott und die Welt diskutieren lässt.

Meist vor der Kamera, ist Charlotte Rampling hier mit ihrer Nikon unterwegs.
Bildlegende: Meist vor der Kamera, ist Charlotte Rampling hier mit ihrer Nikon unterwegs. Xenix

Was Charlotte Rampling in ihren 65 Jahren Erdendasein alles erlebt hat, könnte drei Dokumentarfilme füllen. Doch die deutsche Regisseurin Angelina Maccarone schreitet nicht einfach die Karrierestationen der Schauspielerin ab.

Statt Zeitzeugen vor laufender Kamera davon schwärmen zu lassen, was für eine faszinierende Frau Charlotte Rampling sei, lässt Maccarone die Engländerin über verschiedene Themen sinnieren.

Exponiert sein

Den Auftakt macht das Kapitel «Exposure», was man auf vielfältige Art ins Deutsche übersetzen kann. Hier geht es einerseits ums exponiert Sein, ums sich Aussetzen als Fotomodell und Schauspielerin, anderseits um die fotografischen Begriffe Belichtung und Aufnahme.

In diesem Kapitel dreht Rampling den Spiess um und fotografiert den Fotografen Peter Lindbergh. Schon in diesen ersten Filmminuten wird klar, dass Rampling ein Mensch ist, der sehr bewusst handelt und eigentlich gerne selber die Kontrolle innehat.

Kontrolle und Vertrauen

Als Fotomodell oder Schauspielerin gibt sie indes die Kontrolle weitgehend ab. Dazu benötigt sie grösstes Vertrauen zum Fotografen oder Filmregisseur. Spürt sie dieses Vertrauen, geht sie grosse Risiken ein und wagt selbst den Tabubruch.

Tabu, Alter, Tod und Schönheit sind weitere Themen, aber auch Resonanz, Dämonen, Sehnsucht oder Liebe. Das Kapitel «Liebe» beschliesst den Film und offenbart eine Frau, die zwar weiss, was Liebe ist, aber wirkt, als ob sie dringend welche nötig hätte.

Einblick ins Innerste

Kühl, distanziert, «very british», kultiviert und pointiert kommt Charlotte Rampling in diesem gelungenen Film rüber, aber auch witzig, sexy, frech, mutig und entschlossen. Wegen ihres aussergewöhnlichen Blicks wird die 65-Jährige «The Look» genannt.

Die Doku bietet nun nicht nur die Möglichkeit, ihren Blick hautnah zu erleben, sondern auch ihre Sichtweise zu erfahren und dadurch Einblick in ihr Innerstes zu bekommen. Mehr kann ein Dokumentarfilm gar nicht erreichen.

Und «Charlotte Rampling - The Look» hat es erreicht, weil die Schauspielerin einmal mehr ein grosses Risiko eingegangen ist und sich auf sehr persönliche Art exponiert hat. Das macht den Film sogar für Leute interessant, die sie und ihre Filme gar nicht kennen.

Autor/in: Reto Baer