Die Deutschen sind ein lösbares Problem

Mit «Der grosse Kanton» präsentiert Nationalsatiriker Viktor Giacobbo ein Mockumentary, in dem er der absurden Frage nachgeht, was wäre, wenn Deutschland als neuer Kanton der Schweiz beitreten würde.

Viktor Giacobbo ist mit SVP-Nationalrätin Natalie Rickli im Grenzgebiet unterwegs.
Bildlegende: Viktor Giacobbo ist mit SVP-Nationalrätin Natalie Rickli im Grenzgebiet unterwegs. Vega

Seit Jahren streiten sich Deutschland und die Schweiz über zentrale Fragen des nachbarschaftlichen Zusammenlebens:deutsche Steuerflüchtlinge und Schweizer Bankgeheimnis, Schweizer Fluglärm in Süddeutschland oder deutsche Immigranten in der Schweiz. Für all diese und viele weitere Streitfragen hat Viktor Giacobbo nun eine einfache Lösung parat: Deutschland tritt der Schweiz als neuer Kanton bei.

Damit würde die Schweiz 865 Prozent an Fläche gewinnen und 1039 Prozent an Bürgerinnen und Bürgern, rechnet der Film vor. Zürich wäre dann allerdings nicht mehr die grösste Stadt, sondern läge auf Platz 17 zwischen Bochum und Wuppertal. Und es gäbe 2725 Prozent mehr Minarette im Land.

Unterirdische Minarette
Für diesen Umstand hat Germanist Peter von Matt bereits die ideale Lösung parat: Die Minarette nicht mehr nach oben, sondern nach unten bauen, samt Lift, der in den Untergrund hinab führt. Warum ist vorher noch niemand auf diese Idee gekommen?

Nicht alle von Viktor Giacobbo befragten Prominenten aus Politik, Wirtschaft und Kultur beider Länder stehen so witzig Red und Antwort wie Peter von Matt. Ausgerechnet Kabarettist Gerhard Polt wirkt im Film nicht gerade spritzig. Und Schriftstellerin Elke Heidenreich nimmt irgendwie alles viel zu ernst. Auch Ex-Aussenminister Joschka Fischer erklärt mit heiligem Eifer, warum das nicht funktionieren kann. Oder ist gerade dieser Ernst der Witz?

Breit gewalzter Sketch
FDP-Präsident Philipp Müller gehört zu denen, die den Spass mit Lust und Verve mitmachen. Dabei rutscht ihm folgendes abenteuerliches Statement raus: «Die Schweiz hat für jedes Problem eine Lösung, selbst für die Deutschen.» Der Tessiner Ständerat Filipo Lombardi nutzt den Film indes als Plattform für Eigenwerbung, was allenfalls unfreiwillig komisch wirkt.

So macht der Film als Ganzes einen durchzogenen Eindruck. Vor allem reicht der Grundeinfall nicht für einen abendfüllenden Film aus, der wie ein breit gewalzter Sketch aus Giacobbos TV-Sendung wirkt. Zwischendurch ist er aber recht unterhaltend. Und gelegentlich blitzen sogar tolle Momente auf. Daher: 4 von 6 Filmbären.

Trailer

Autor/in: Reto Baer