Die Stärken und Schwächen einer Fledermaus

Nach «Batman Begins» (2005) und dem genialen «The Dark Knight» (2008) schliesst Christopher Nolan seine Batman-Trilogie mit «The Dark Knight Rises» fulminant ab, erreicht aber nicht mehr die unheimliche Qualität des Vorgängers.

Batman (Christian Bale) auf einem seiner Hightech-Spielzeuge.
Bildlegende: Batman (Christian Bale) auf einem seiner Hightech-Spielzeuge. Warner Bros.

Acht Jahre lang hielt sich der Milliardär Bruce Wayne (Christian Bale) alias Batman verborgen und leckte seine Wunden, bis die Diebin Selina Kyle (Anne Hathaway) alias Catwoman und der Brutalo Bane (Tom Hardy) ihn aus seiner Lethargie wecken.

Inzwischen hat Tüftler Lucius Fox (Morgan Freeman) für Batman ein UFO-artiges Fluggerät konstruiert, das nicht nur im Showdown intensiv zum Einsatz kommt. Doch bis dahin vergehen über 160 Minuten.

Wuchtige Bilder

Christopher Nolans Abschluss seiner Trilogie ist in jeder Hinsicht episch. Die wuchtigen Bilder, die er kreiert, sind einmal mehr atemberaubend. Hans Zimmers hypnotischer Soundtrack treibt die düstere Handlung unaufhaltsam voran. Schon nach der spektakulären Eingangssequenz ist klar: Diesen Film muss man auf der grossen Leinwand sehen.

Die Story sollte man allerdings nie hinterfragen, sonst stösst man rasch auf Ungereimtheiten. Warum will zum Beispiel Bane ganz Gotham in die Luft jagen, bleibt aber mit seiner ganzen Halunkenbande bis zur letzten Sekunde in der Stadt? Sind das Selbstmordattentäter im Multipack?

Adrenalin-Kino

Da spielt Nolan mit den Ängsten der US-Amerikaner, die seit 9/11 ja sehr real sind. Die Motivation der Gangster ist offenbar nicht, sich zu bereichern, sondern die egoistischen Reichen zu bestrafen. Deshalb überfallen sie auch die Börse.

Selbst wenn Nolan den Adrenalinfluss über zweieinhalb Stunden lang stetig in Gang hält, so kann das Publikum doch beruhigt auf den Showdown warten, denn wir alle wissen: Batman wird es schon richten.

Schwachpunkte

Als Kinospektakel vermag «The Dark Knight Rises» zu begeistern, aber als Film bleibt er klar hinter «The Dark Knight» zurück. Heath Ledgers fiebrige Darstellung des psychopathischen Bösewichts Joker ist und bleibt unübertroffen. Tom Hardy gibt als maskiertes Muskelpaket Bane zwar sein Bestes, bleibt aber eindimensional. Auch Anne Hathaway bleibt als Catwoman seltsam aseptisch, hat dafür aber die witzigsten Szenen.

Die überraschende Wendung kurz vor Filmende ist bloss ein aus dem Hut gezaubertes Karnickel, stimmig ist sie nicht. Und das Ende ist kein Abschluss, sondern ein Steilpass für eine weitere Fortsetzung, wer immer sie auch realisieren wird. Mit anderen Worten: Die hohen Erwartungen werden nicht erfüllt.

Autor/in: Reto Baer