Dr neu Dällebach Kari

Bei «Eine wen iig, dr Dällebach Kari» führte Oscargewinner Xavier Koller Regie. Und das scheint Glück gebracht zu haben: Der Spielfilm geht nun mit ganzen sechs Nominationen ins Rennen um den Schweizer Filmpreis Quartz.

Der Schnauz verdeckt Karis (Nils Althaus) Hasenscharte nur halbwegs.
Bildlegende: Der Schnauz verdeckt Karis (Nils Althaus) Hasenscharte nur halbwegs. Ascot Elite

Xavier Kollers Neuverfilmung des Dällebach-Stoffs kommt wie eine schweizerische Version von «The Beauty and the Biest» daher. Die romantische Liebesgeschichte steht im Vordergrund, entsprechend drückt der Film auf die Tränendrüsen.

Die Berner Liebesgeschichte ist gleich doppelt unmöglich: Zum einen ist Dällebach Kari (Nils Althuas) «nur» Coiffeur und seine angebetete Annemarie Geiser (Carla Juri) eine reiche Industriellentochter, zum andern hat er eine Hasenscharte, während sie wunderschön ist.

Berner Stadtoriginal

Im Gegensatz zu Kurt Früh besetzte Xavier Koller das legendäre Berner Stadtoriginal mit zwei Schauspielern. Hanspeter Müller-Drossaart, der den Kari auch im Bühnenmusical spielt, verkörpert den älteren Dällebach Kari.

Als der 54-jährige Coiffeur erfährt, dass er Krebs hat, will er seinem Leben ein Ende setzen. An seinem letzten Tag erinnert er sich noch einmal an die schönste Zeit seines Lebens, die Liebe zu Annemarie, die zu seiner eigenen Überraschung erwidert wurde.

Zahnprothese

Die gelungene Inszenierung versetzt das Publikum ins Bern des beginnenden 20. Jahrhunderts. Die wunderschönen, sonnendurchfluteten Bilder kontrastieren Karis dunkles Schicksal.

Was ich mich jedoch fragte: Hätte man Nils Althaus' Zahnprothese nicht so machen können, dass man dessen richtigen Zähne nicht mehr sieht? Wie dem auch sei, dank der emotionalen Story könnte «Eine wen iig, dr Dällebach Kari» beim Publikum ebenso gut ankommen wie «Der Verdingbub».

Der neue trifft den alten Kari: Hanspeter Müller-Drossaart und Walo Lüond

«Box-Office»-Beitrag von SF

Autor/in: Reto Baer