Ein Heiliger, der keiner mehr sein will

«Nomad's Land», der erste Dokumentarfilm des Wallisers Gaël Métroz, lockte über 40'000 Schweizer ins Kino. «Sâdhu», das faszinierende und teils irritierende Porträt eines indischen Heiligen, hätte ebenfalls viele Zuschauer verdient.

Eindrückliche Bilder: Suraj Baba beim Meditieren im Himalaya.
Bildlegende: Eindrückliche Bilder: Suraj Baba beim Meditieren im Himalaya. Xenix

Im indischen Darjeeling in eine bürgerliche Familie hinein geboren, verliess Suraj Baba alles, um den einfachen Alltag eines Asketen zu leben. Als Sadhu - heiliger Mann - respektiert, hat er sich von allem getrennt, um sich der Meditation zu widmen.

Das Sanskrit-Wort «Sadh» bedeutet Wahrheit, und «Sadhu» Wahrheitssucher. Die Sadhus trennen alle Verbindungen zu ihren Familien. Sie besitzen keinen Reichtum. Sie leben zurückgezogen oder betteln auf den Strassen von Indien und Nepal und ernähren sich durch die Gaben der Gläubigen. Sie machen 0.5% der indischen Bevölkerung aus.

70 Millionen Pilger
Die authentischen Sadhus zeigen sich jedoch in der Regel nicht ausserhalb des Kumbh Mela. Das ist die grösste religiöse Zusammenkunft in der Welt, die alle zwölf Jahre am Fuss des Himalaya an den Ufern des Ganges stattfindet. Im Jahr 2010 pilgerten 70 Millionen Menschen dorthin, darunter auch Suraj Baba.

Der Schweizer Dokumentarfilmer Gaël Métroz begleitet den Sadhu dorthin, nachdem er acht Jahre lang in einer Höhle auf 3200 Metern Höhe im Himalaya gelebt hat. Die Reise zurück in den Trubel Indiens wirft Suraj Baba aus der Bahn.

Stark und authentisch
Statt einen stoischen Mystiker bekommt das Kinopublikum also einen Zweifler zu sehen, der keine weisen Sprüche absondert, sondern sich und seinen Lebenswandel ständig hinterfragt. Das fordert dem Zuschauer einiges ab, ist aber gerade deswegen authentisches und packendes Dokumentarkino. 5 von 6 Filmbären.

Trailer

Autor/in: Reto Baer