Eine Katze will Jude werden

Der eigenwillige Comic-Künstler Joann Sfar hat seine eigene Serie «Le chat du rabbin» in traumhaft schönen Bildern verfilmt. Aber Achtung, dieser Zeichentrickfilm ist nicht für Kinder, sondern für Erwachsene.

Der Rabbiner Sfar mit seiner Tochter Zlabya und der sprechenden Katze.
Bildlegende: Der Rabbiner Sfar mit seiner Tochter Zlabya und der sprechenden Katze. Pathé Films

Von Felix über Fritz the Cat bis zu Garfield, von Tom (und Jerry) über Sylvester (und Tweety) bis zum gestiefelten Kater aus den «Shrek»-Filmen: Katzen bevölkern die Welt von Comics und Film ebenso wie die Haushalte der Menschen.

«Le chat du rabbin» nimmt in der Comicwelt allerdings eine Sonderstellung ein, weil Joann Sfar mit der Katze des Rabbiners für einmal das Tier nicht nur als Spassmacher inszeniert, sondern als den Menschen ebenbürtiges Wesen.

Sprechende Katze

Der Film basiert auf den fünf bisher erschienenen Comicbänden, die alle auch auf Deutsch erhältlich sind. Die Geschichte vereint Charme, Dreistigkeit und Intellekt so, wie es vielleicht nur Franzosen zustande bringen.

Nachdem die Katze des Rabbiners dessen Papagei aufgefressen hat, kann sie plötzlich sprechen. Und so fordert sie den jüdischen Geistlichen heraus, seinen Glauben zu hinterfragen. Die Katze übernimmt quasi die Hofnarrenrolle in einer streng geregelten religiösen Organisation.

Bar Miszwa fürs Haustier?

Die freigeistigen Gedankengänge des Stubentigers passen dem Rabbi allerdings nicht, deshalb verbietet er seiner Tochter Zlabya den Umgang mit der Katze. Enttäuscht darüber verspricht der Vierbeiner, er wolle ein guter Jude werden und sogar die Tora studieren.

Doch als die Katze auch eine eigene Bar Mizwa will, quasi die jüdische Variante der Konfirmation oder Firmung, lehnt der Rabbi ab. Einem Tier offiziell die religiöse Mündigkeit zu attestieren, das geht ihm dann doch zu weit.

Es wird viel geredet

Das ist nur der Anfang des sehenswerten Animationsfilms, der sich grafisch und inhaltlich eng an der Comicvorlage orientiert. Einziger Wermutstropfen: Der Film ist sehr dialoglastig. Das würde man bei einem Zeichentrickfilm nicht erwarten.

Dennoch ist Joann Sfars zweite Regiearbeit nach «Gainsbourg» ein einziges Vergnügen. Der Gang ins Kino lohnt sich. Ab sofort läuft der Film in Zürich in 2D und in Luzern in 3D. In Bern und Basel startet er später in 3D.

Autor/in: Reto Baer