Feldzug gegen Kinderquäler

  • Montag, 14. November 2011, 15:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 14. November 2011, 15:20 Uhr, DRS 3
  • Wiederholung:
    • Samstag, 19. November 2011, 12:45 Uhr, DRS 3

In ihrem dritten Langspielfilm «Polisse» konfrontiert die Regisseurin Maïwenn das Publikum mit Einsätzen der Pariser Jugendschutzpolizei. Ein heftiger Film, der aufwühlt, aber auch ein bisschen ratlos macht.

Nadine (Karin Viard), Fred (JoeyStarr) und Iris (Marina Foïs) im Einsatz.
Bildlegende: Nadine (Karin Viard), Fred (JoeyStarr) und Iris (Marina Foïs) im Einsatz. Frenetic

Man braucht eine Weile, bis man sich an die zahlreichen Figuren gewöhnt hat, zumal anfangs keine sonderlich heraussticht. «Polisse» mutet geradezu dokumentarisch an und mutet dem Zuschauer einiges zu.

Die Polizistinnen und Polizisten der Pariser Jugendschutzeinheit sind tagtäglich mit sexuellem Missbrauch von Kindern konfrontiert, mit Misshandlungen, Armut, familiären Dramen, Migrationshintergrund. Da liegen die Nerven der Beamten regelmässig blank.

Immer voll drauf

Kamera und Mikrofon gehen so nah ran, dass man jeden Pickel sieht und jedes Räuspern gigantisch verstärkt hört. Das ist sowohl eine Stärke, als auch eine Schwäche des Films. Dieses Vollgasgeben auf allen Ebenen mag die Situation der Polizisten nachempfinden, wirkt aber mitunter auch künstlich aufgeblasen.

Problematisch ist auch, dass keiner der Beamten wirklich sympathisch rüber kommt. Alle wirken in ihrer Entschlossenheit, das Wohl der Kinder über alles zu stellen, als übereifrig und mitunter gar etwas unprofessionell.

Paukenschlag

Da hat die Regisseurin Maïwenn den Druck, dem die Polizistinnen und Polizisten unterliegen, bewusst überzeichnet. Das funktioniert über weite Strecken gut, schiesst jedoch manchmal auch übers Ziel hinaus.

Besonders der unnötige Paukenschlag am Schluss schadet dem Film mehr, als ihm zu nützen. Im Grossen und Ganzen ist «Polisse» aber ein sehenswertes und mitreissendes Polizeidrama mit einem eindrücklichen Schauspielensemble.

Gute Schauspieler

Die Regisseurin Maïwenn selber spielt eine Fotografin, die eine Reportage über die Jugendschutz-Brigade machen soll. Der Rapper JoeyStarr verkörpert den Polizisten, der sie zuerst ablehnt, sich dann aber in sie verliebt.

Um diese zurückhaltend inszenierte Lovestory herum ereignen sich alle möglichen grossen und kleinen Dramen, manche erschütternd, andere fast absurd in ihrer erschreckenden Banalität.

Autor/in: Reto Baer