Johnny Depp als witzigster Vampir ever

Tim Burtons «Dark Shadows» ist der witzigste Vampirfilm seit Roman Polanksis «Tanz der Vampire». In der Hauptrolle glänzt wie gewohnt Burtons Freund und Lieblingsschauspieler Johnny Depp.

Mit «Dark Shadows» stellen Tim Burton und Johnny Depp (der Typ am Fenster) den Vampirfilm auf den Kopf.
Bildlegende: Mit «Dark Shadows» stellen Tim Burton und Johnny Depp (der Typ am Fenster) den Vampirfilm auf den Kopf. Warner Bros.

So blutleer die aseptischen «Twilight»-Filme waren, so lustvoll spritzt in «Dark Shadows» das Blut über die Kinoleinwand, wenn Barnabas Collins (Johnny Depp) herzhaft zubeisst. Nach 200 Jahren in einem Sarg eingesperrt hat der Vampir verständlicherweise höllischen Durst.

Im Jahr 1972 tut sich der Untote mit seinen Nachfahren zusammen, um sich an der Hexe (Eva Green) zu rächen, die ihn verfluchte und zum Vampir verwandelte, weil er ihre Liebe zurückgewiesen hatte. Aber vergesst die Story, deswegen muss man den Film nicht sehen.

Warum man «Dark Shadows» sehen muss

Weil es der erste Film ist, in dem man einen Vampir beim Zähneputzen und auf der Couch bei einer Psychoanalytikerin (Burtons Lebenspartnerin Helena Bonham Carter) sieht. Weil das Monster eine Party mit Gruselrocker Alice Cooper als Stargast schmeisst.

Weil der Film ein und für allemal beweist, dass das amerikanische Popduo Carpenters die gruseligste Musik machte, die man je hören konnte. Und weil Michelle Pfeiffer eine Frau spielt, deren heimliche Leidenschaft darin besteht, Makrame-Reizwäsche herzustellen.

Warum «Dark Shadows» Kult ist

Nach zwei neuen Fernsehversionen ist «Dark Shadows» zwar bereits das dritte Remake einer TV-Serie aus dem Jahr 1966, aber die erste Kinoadaption. Und die ist unter Tim Burtons Regie einmalig geworden. Seine Handschrift ist an jedem Detail ablesbar: von der Lavalampe im Mädchenzimmer bis zum Filmschluss, der ziemlich zynisch auf das Ende von «Avatar» anspielt.

«Dark Shadows» ist eine Fundgrube für Freunde der Popkultur. Die Zitate von 1972 angesagter Musik, Literatur und Filmen blitzen dutzendweise auf und erzählen augenzwinkernd ihre eigene Gruselgeschichte. Echt der Horror, was man damals toll fand. Aber eben herrlicher Horror!

Autor/in: Reto Baer