Kann denn Heldentum Sünde sein?

Anhand der atemberaubenden Lebensgeschichte des reichsten Russen bietet die Dokumentation «Khodorkovsky» auch einen tiefen Einblick in die Geschichte Russlands seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Spannend wie ein Krimi.

Michail Borissowitsch Chodorkowski im Käfig eines Gerichtssaals.
Bildlegende: Michail Borissowitsch Chodorkowski im Käfig eines Gerichtssaals. Pathé Films

Michail Borissowitsch Chodorkowski, so die deutsche Schreibweise, hat die erste russische Privatbank gegründet und die Mineralölfirma JUKOS übernommen. Dadurch stieg der heute 48-jährige zum reichsten Oligarchen Russlands auf.

Doch all sein Geld hat Chodorkowski nichts genützt. Er sitzt noch voraussichtlich bis 2016 hinter Gittern. Was ist passiert? Das versucht der deutsche Regisseur Cyrill Tuschi mit seinem Dokumentarfilm «Khodorkovsky», so die internationale Schreibweise, aufzuzeigen.

Vom Multimillionär zum Oppositionellen

Fasziniert von dem Multimillionär, der plötzlich nicht mehr gewillt ist, mit Putins Wölfen zu heulen, setzt Tuschi das Puzzle von Chodorkowskis bewegtem Leben zusammen. Weggefährten und Zeitzeugen kommen zu Wort, loben, kritisieren, hinterfragen.

Ganz am Ende darf Tuschi Herrn Chodorkowki sogar persönlich interviewen - durch die Gitterstäbe des Käfigs im Gerichtssaal. Da lernt ihn der Zuschauer als selbstsicheren und gewieften Manager seiner selbst kennen.

Wie ein Polit-Thriller

Ist Chodorkowski wirklich ein Held, wie Russlands Oppositionelle glauben? Oder hat er einfach die bedrohlichen Signale von Putins Regierung falsch gedeutet und nie an seine eigene Verhaftung geglaubt? Der Film überlässt die Entscheidung dem Zuschauer.

Formal unterscheidet sich «Khodorkovsky» nicht von anderen biografischen Dokumentarfilmen, doch er wartet mit überraschenden Wendungen und emotionalen Momenten auf und ist daher packend wie ein fiktiver Polit-Thriller und.

Autor/in: Reto Baer