«La belle et la bête» - Überladener Märchenfilm

  • Montag, 28. April 2014, 14:10 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 28. April 2014, 14:10 Uhr, Radio SRF 3
  • Wiederholung:
    • Samstag, 3. Mai 2014, 12:03 Uhr, Radio SRF 3

Auch die ixte Neuverfilmung des Märchens «La belle et la bête - Die Schöne und das Biest» kommt nicht an Jean Cocteaus Original aus dem Jahr 1946 heran. Wo Cocteau Magie und Poesie schuf, gelingt Regisseur Christophe Gans nur Opulenz.

Belle (Léa Seydoux) an der Grenze zum Reich des Monsters.
Bildlegende: Belle (Léa Seydoux) an der Grenze zum Reich des Monsters. Pathé Films

Ein verarmter Kaufmann (André Dussollier) verirrt sich in einem Schneesturm und gelangt zu einem leeren Schloss, wo ständig Sommer ist. In dem menschenleeren Schloss findet er Essen und Schätze, die er seinen Töchtern bringen will.

Als er beim Gehen noch eine Rose abbricht, steht plötzlich ein Monster (Vincent Cassel) vor ihm und sagt: «Reichen dir meine Geschenke nicht? Willst du mir auch noch das stehlen, was mir das Kostbarste ist?» Die Rose sei für seine jüngste Tochter Belle (Léa Seydoux), sagt der Kaufmann, die sein Kostbarstes sei.

Ein Leben für eine Rose
Das Monster verlangt ein Leben für eine Rose. Der Kaufmann solle nach Hause, sich von seinen Liebsten verabschieden und wiederkehren. Er brauche seinem Pferd bloss «mehr als alles auf der Welt» ins Ohr zu flüstern, und es werde den Weg finden. Komme er nicht, müsse seine Familie sterben.

Doch dann ist es Belle, die aufs Pferd steigt und ihm die magischen Worte ins Ohr flüstert. Sie opfert sich für ihren Vater und begegnet so dem sonderbaren Ungeheuer. In Träumen erfährt sie nach und nach die Geschichte des Wesens.

Ein Film für fast alle
Viele kennen vermutlich den Disney-Zeichentrickfilm «The Beauty and the Beast» (1991), manche vielleicht auch die gleichnamige TV-Serie (1987) mit Schauspielern. Es gibt diverse weitere Verfilmungen. Die beste, die ich kenne, ist Jean Cocteaus Original aus dem Jahr 1946, das eindeutig ein erwachsenes Publikum avisierte.

Christophe Gans wollte seine Neuverfilmung nach amerikanischem Vorbild für alle machen, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Das sieht man, und das ist auch das Hauptproblem des Films. Für Kinder ist er zu düster, für Erwachsene zu harmlos, und die Digital-Animationen bleiben hinter jenen Hollywoods zurück.

Nichts für kleine Kinder
Die Erotik der Geschichte wird unter der Opulenz der Kostüme und Kulissen begraben. Dabei spielen Léa Seydoux und Vincent Cassel die Hauptrollen, zwei, die die Leinwand schon mehrfach zum Knistern gebracht haben. Das dürfen sie hier aber nicht.

Stellt man sich darauf ein, dass bei dieser Neuverfilmung mehr auf den Look als auf alles andere geschaut wurde, kann man durchaus einen unterhaltenden Kinoabend erleben, aber mehr nicht. Kinder unter neun Jahren würde ich nicht mitnehmen. 3 von 5 Filmbären.

Trailer D / Trailer F / Making of F / Trailer von 1946

Autor/in: Reto Baer