Lass den Torero raus!

«Les femmes du 6ème étage» ist eine Komödie, die auf Nostalgie, Charme und reichlich Feelgood-Momente setzt. Dazu kommen französische Stars wie Fabrice Luchini und Sandrine Kiberlain. In Frankreich und der Westschweiz lockte dieses Rezept massenweise Zuschauer in die Kinos.

Knuspert da vielleicht mehr als nur der Frühstückstoast? María Gonzales (Natalia Verbeke)  und Jean-Louis Joubert (Fabrice Luchini).
Bildlegende: Knuspert da vielleicht mehr als nur der Frühstückstoast? María Gonzales (Natalia Verbeke) und Jean-Louis Joubert (Fabrice Luchini). Praesens

Die Reichen sind die Oberschicht, doch im Paris des Jahres 1962 wohnt die Oberschicht unten in den Häusern. Zuoberst in den ungeheizten, winzigen Mansardenzimmern ohne fliessendes Wasser wohnen die ärmeren Leute der Unterschicht.

In Jean-Louis Jouberts (Fabrice Luchini) Haus wohnen im sechsten Stock oben Spanierinnen, die als Dienstmädchen und Putzfrauen arbeiten. Joubert nimmt erst von ihnen Notiz, als seine Frau Suzanne (Sandrine Kiberlain) eine von ihnen anstellt.

Spanierinnen und Franzosen

María Gonzales (Natalia Verbeke) ist die attraktivste der fröhlichen Spanierinnen und verzaubert den leicht verknöcherten Hausherrn mit ihrem südländischen Temperament. Nicht einmal als sie mehr Lohn als ihre Vorgängerin verlangt, kann der Börsenmakler nein sagen.

Viel von ihrem Charme bezieht die Komödie aus einfachen Gegenüberstellungen wie oben-unten, reich-arm, verklemmt-lebensfroh. Das funktioniert nur deshalb so gut, weil die Geschichte 1962 spielt, lange vor Internet und Mobiltelefon.

Hochfinanz und Plumpsklo

Es macht wirklich Spass, in eine naivere Zeit zurückzureisen und zuzusehen, wie ein geschniegelter Finanzjongleur das Leben neu entdeckt und den Torero raus lässt. Auch wenn der Gegner kein Stier, sondern ein verstopftes Plumpsklo ist. Olé!

Mit «Les femmes du 6ème étage» ist Regisseur und Co-Autor Philippe Le Guay eine beschwingte Sommerkomödie gelungen, die mit ihren sympathischen Figuren auch diesseits des Röstigrabens viele Fans finden dürfte.

Zumal sich auch die grosse Carmen Maura unter die Spanierinnen vom 6. Stock gemischt hat. Jeder Arthouse-Liebhaber und Fan von Pedro Almodóvar dürfte die 65-jährige Charakterdarstellerin kennen. (rb)