Michael Steiner: Spiel mir das Lied vom Mord

Eines ist jetzt schon klar: «Das Missen Massaker» ist ein ernstzunehmender Kandidat für den Podestplatz des erfolgreichsten Schweizer Films 2012. Zu Recht, denn Michael Steiners trashige Horror-Komödie macht rundum Spass.

Am Flughafen Kloten: Vor dem Abflug ins Missencamp ist die Welt noch rosarot, danach wird sie blutrot.
Bildlegende: Am Flughafen Kloten: Vor dem Abflug ins Missencamp ist die Welt noch rosarot, danach wird sie blutrot. Filmcoopi

Kein Schweizer Filmemacher lockt zurzeit mehr Zuschauer ins Kino als Michael Steiner. Seine letzten drei Filme «Mein Name ist Eugen» (2005), «Grounding» (2006) und «Sennentuntschi» (2010) verzeichneten zusammen über 1.1 Millionen Eintritte.

«Das Missen Massaker» wird seinen Status als derzeit erfolgreichster helvetischer Filmregisseur noch festigen. Der Grund: Steiner macht urschweizerische Filme, ohne je bünzlig zu sein. Und vor allem macht er sie lustvoll.

Cervelat-Promis und Killer-Monster

In jeder Szene spürt man, da ist einer mit Leib und Seele bei der Sache. Bei «Das Missen Massaker» zelebriert der 43-Jährige seine Liebe zur Popkultur. Er wirft Horrorfilme, Cervelat-Promis, Lokalfernsehen und die Miss-Schweiz-Wahlen in einen Topf und braut daraus eine Horror-Komödie, die es in sich hat.

Während man im Kinosessel zwischen Lachen und Fremdschämen schwankt, dezimiert ein wahnsinniger Killer den Bestand der Kandidatinnen, die sich auf einer thailändischen Insel für die Miss-Schweiz-Wahl vorbereiten wollten.

Derber Humor und Horror-Musik

Bei jedem Mord trägt der Täter die Maske eines anderen Killer-Monsters. Und zum Glück für cineastische Weicheier wie mich drehte Steiner die Splatter-Szenen nicht allzu drastisch, so dass man bei den nachfolgenden Gags wieder befreit lachen kann. Der eigentliche Horror des Films ist die Musik, die so klingt, als habe Steiner jeden schlechten Sommerhit, den er kennt, auf die Tonspur gepappt.

Wenn schon Trash, dann richtig, hat sich Steiner wohl gesagt. Daher spielt er auch genüsslich mit Klischees und lässt die Schauspieler so übertrieben agieren, dass ihre Figuren zu Karikaturen werden. Für Liebhaber feinsinnigen Humors ist das nichts, alle anderen können sich 98 Minuten lang köstlich amüsieren.

Autor/in: Reto Baer