Polanski und vier Top-Schauspieler

  • Montag, 28. November 2011, 15:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 28. November 2011, 15:20 Uhr, DRS 3
  • Wiederholung:
    • Samstag, 3. Dezember 2011, 12:45 Uhr, DRS 3

Man kann über Roman Polanski als Mensch denken, was man will. Aber als Filmemacher ist und bleibt er unübertroffen. Wie er in «Carnage» Kate Winslet, Jodie Foster, Christoph Waltz und John C. Reilly inszeniert, ist meisterhaft.

Roman Polanski (Mitte) mit seinen Stars (von links) John C. Reilly, Jodie Foster, Christoph Waltz und Kate Winslet.
Bildlegende: Roman Polanski (Mitte) mit seinen Stars (von links) John C. Reilly, Jodie Foster, Christoph Waltz und Kate Winslet. Ascot Elite

Ein Junge schlägt einem anderen einen Zahn aus. Nun treffen sich die Eltern des Schlägers (Kate winslet, Christoph Waltz) mit den Eltern des Opfers (Jodie Foster, John C. Reilly), um das weitere Vorgehen zu besprechen. Eine unangenehme Situation für beide Seiten.

Nach anfänglichem gegenseitigem Abtasten lassen die beiden Väter und Mütter immer mehr ihre Masken fallen. Schliesslich kommt noch Alkohol ins Spiel und dann benutzen die vier Erwachsenen Worte wie Keulen.

Ohne Rücksicht auf Verlust

«Carnage» heisst Gemetzel. Und genau dies zeigt Roman Polanskis neuster Film. Ein verbales Gemetzel, bei dem jeder nur die eigene Meinung gelten lässt, ohne Rücksichte auf Verluste. Und oft geht es nicht um zwei gegen zwei, sondern einen gegen drei.

Das heisst, die Filmfiguren stellen sich auch immer wieder gegen den eigenen Ehepartner. Mal verbünden sich die beiden Väter kurzzeitig, mal die beiden Mütter. Dann hauen sich wieder alle gegen alle Vorwürfe um die Ohren.

Mehr Biss als

Das könnte ätzend und ermüdend sein, ist es aber mit diesen vier Top-Schauspielern und unter Polanskis Regie keineswegs. Im Gegenteil. Obwohl der Film in Echtzeit nur in einem Wohnzimmer spielt, ist er spannender als mancher Krimi.

Da die menschlichen Schwächen mit einer gehörigen Portion Humor entlarvt werden, bietet «Carnage» beste Kinounterhaltung, die dem Zuschauer selber einen Spiegel vorhält. Besser könnte man Yasmina Rezas Theaterstück «Le dieu du carnage» gar nicht verfilmen.

«Box-Office»-Beitrag von SF

Autor/in: Reto Baer