Sacha Baron Cohen at his best

Einmal mehr überzeugt Sacha Baron Cohen in «The Dictator» mit seinem beneidenswerten Mut für unterirdischen Humor. Weil der Zuschauer dabei nie das Hirn abschalten muss, geht Cohens Rechnung auf .

General Aladeen (Sacha Baron Cohen) und sein Berater, Onkel Tamir (Sir Ben Kingsley).
Bildlegende: General Aladeen (Sacha Baron Cohen) und sein Berater, Onkel Tamir (Sir Ben Kingsley). Universal

Die Zeit der Doku-Komödien im Stil von «Borat» und «Brüno» ist vorbei. Inzwischen ist Sacha Baron Cohen viel zu bekannt und könnte wohl kaum noch jemanden hinters Licht führen. Daher ist «The Dictator» nun ein reiner Spielfilm.

Viel besser als erwartet gelingt es dem britischen Komiker, seinen Humor auch ohne übertölpelte Leute zur Geltung zu bringen. Sacha Baron Cohen nimmt jede Pointe mit Vollgas und fährt dabei gleich noch den guten Geschmack platt. Ganz so, wie man das von ihm erwartet.

Ein Diktator in New York

Diesmal spielt Sacha Baron Cohen General Aladeen, den Diktator des fiktiven arabischen Staates Wadiya. Aladeen kam schon mit Sieben an die Macht, weil sein Vater einen Jagdunfall hatte und von 97 verirrten Kugeln und einer Handgranate getroffen wurde.

Nachdem die UN verschiedenste Sanktionen gegen Wadiya ausgesprochen hat, rät Aladeens Berater Tamir (Sir Ben Kingsley), der «geliebte Unterdrücker» solle nach New York fliegen und vor den Delegierten der UN eine Rede halten.

Nichts ist Cohen heilig

Logisch, dass alles drunter und drüber geht und General Aladeen sogar in jene Fettnäpfchen tritt, die man sich zuvor gar nicht vorstellen konnte. Sacha Baron Cohen geniesst es sichtlich, einmal mehr die Sau raus zu lassen.

Als General Aladeen bezahlt er Hollywood-Starlet Megan Fox Millionen für ein Schäferstündchen, und als Schafhirte Efawadh, Aladeens Doppelgänger, melkt er sogar eine Prostituierte.

Politisch unkorrekt

Schlitzohr Cohen macht reihenweise frauenfeindliche Witze, und die Frauen im Publikum lachen genauso laut wie die Männer. Schliesslich ist es ja nicht Cohen, der frauenfeindlich ist, sondern seine Figur.

Nicht nur Frauen werden zu Cohens Zielscheibe, sondern auch Schwule, Schwarze, Behinderte, Demokraten, Grüne, Filmstars, Kinder und viele mehr. Politische Unkorrektheit und ultratiefes Humor-Niveau sind seine Masche und sein Markenzeichen.

Gags im Multipack

Irgendwann könnte sich das totlaufen, doch es ist noch nicht so weit. «The Dictator» macht rundum Spass und hat eine Gagdichte, die das Luftholen zwischen zwei Lachern fast verunmöglicht.

Trotz des derben Humors ist der Film nicht blöd, sondern durchaus intelligent. Grandios ist die Szene, in der General Aladeen vor der UN erklärt, was man in einer Demokratie alles nicht machen dürfte, dabei jedoch lauter Taten der USA aufzählt.

«Box-Office»-Beitrag von SF

Autor/in: Reto Baer