Schwule Lovestory

«Weekend» ist für einmal kein Film, in dem Schwulsein als exotisches Aussenseitertum dargestellt wird, sondern einfach ein Film, bei dem das Liebespaar zufälligerweise zwei Männer sind. Und das ist völlig normal.

Zwischen Russell (Tom Cullen, links) und Glen (Chris New) funkt es.
Bildlegende: Zwischen Russell (Tom Cullen, links) und Glen (Chris New) funkt es. Arthouse

«Weekend» handelt weder vom Coming-out eines Schwulen noch vom Gegenteil davon, vom Unterdrücken oder Verheimlichen der eigenen Sexualität. «Weekend» erzählt einfach von der Liebe, und die ist bekanntlich nichts spezifisch Homosexuelles.

Ehrlich gesagt, passiert in dem Film kaum etwas. Russell (Tom Cullen) trifft an einem Freitagabend in einem Club Glen (Chris New), die beiden landen im Bett, Russell verliebt sich, doch Glen wird am Montag für zwei Jahre in die USA reisen.

Intime Dialoge

Was das Publikum zu sehen bekommt, sind diese zwei Männer beim Reden. Und das ist interessanterweise viel intimer als die kurz angedeuteten Sexszenen. Zum einen liegt das an der stimmigen Inszenierung durch Andrew Haigh, zum andern an den ausgesprochen natürlich agierenden Hauptdarstellern.

Diese Natürlichkeit befreit die schwule Lovestory auch von jeglicher Homo-Exotik. Die Zeit ist reif, dass ein Film in unsere Kinos kommt, in dem schwule Liebe ganz selbstverständlich präsentiert wird. Schliesslich haben Schwule dieselben Gefühle, Hoffnungen und Ängste wie Heterosexuelle.

Authentische Szenen

Das allein erklärt jedoch noch nicht, warum der Film so stark wirkt. Er überzeugt so, weil er authentisch ist. Man nimmt den beiden Darstellern jedes Wort, jede Geste, jeden Blick ab. Das heisst, im Drehbuch steht kein falsches Wort.

Da kann man Andrew Haigh, der neben Regie und Schnitt auch das Drehbuch verantwortet, nicht genug loben. «Weekend» hat wirklich jede der diversen Auszeichnungen verdient, die der Film schon gewonnen hat.

Autor/in: Reto Baer