Sean Penn als alternder Rockstar

In «Il Divo» hat Paolo Sorrentino den realen italienischen Politiker Giulio Andreotti ins Zentrum gestellt, in «This Must Be the Place» ist es nun ein fiktiver Rockstar, den Sean Penn genial verkörpert.

Muss man erlebt haben: Sean Penn als «pensionierter» Rockstar Cheyenne.
Bildlegende: Muss man erlebt haben: Sean Penn als «pensionierter» Rockstar Cheyenne. Frenetic

Cheyenne (Sean Penn) war in den 80er Jahren ein gefeierter Rockstar. Doch dann hat er sich Hals über Kopf aus dem Musikbusiness in seine Villa in Dublin zurückgezogen. Warum, das erfährt das Publikum erst im Verlauf des Films, als Cheyenne auf David Byrne trifft.

Der Filmtitel «This Must Be the Place» ist übrigens ein Song, den Byrne für seine ehemalige Band Talking Heads schrieb. In einer witzigen Szene erklärt Cheyenne einem kleinen Jungen, dass der Song nicht von Arcade Fire ist, die ihn gecovert haben.

Musikalische Anspielungen

Überhaupt gibt es ganz viele musikalische Anspielungen. So schminkt sich Cheyenne wie Robbert Smith von The Cure und schlurft gebückt rum wie Ozzy Osbourne. Sein Wohnort spielt auf die irische Musikszene um U2 an, sein Bandname Cheyenne and the Fellows auf Siouxsie and the Banshees.

Cheyenne ist ein ebenso gelangweilter wie neurotischer Mensch, der mit seiner Frau Jane (Frances McDormand) eine liebevolle, aber biedere Beziehung lebt. Erst als er erfährt, dass sein Vater im Sterben liegt, verlässt er sein behagliches Schneckenhaus.

Innere Dämonen

Da Cheyenne Angst vorm Fliegen hat, reist er per Schiff nach New York und kommt prompt zu spät. Sein Vater, ein Holocaust-Überlebender, ist schon tot. Als Cheyenne erfährt, sein Vater habe sein ganzes Leben lang seinen Auschwitz-Peiniger ausfindig zu machen versucht, macht er sich kurz entschlossen selber auf die Suche.

Die Autofahrt durch die heutige USA wird zu seiner Seelenreise, bei der es um nichts Geringeres als das Austreiben der eigenen Dämonen geht. Was eignet sich dazu besser, als die Konfrontation mit einem Dämon aus Fleisch und Blut?

Bester Schauspieler

Die sonderbare Geschichte funktioniert gerade deshalb so gut, weil sie mitunter so unlogisch wirkt. Unlogisch wie das Leben selbst. Und natürlich trägt Sean Penns atemberaubende Leistung entscheidend mit dazu bei.

Einmal mehr beweist der zweifache Oscargewinner mit Jahrgang 1960, dass er definitiv einer der besten Schauspieler seiner Generation ist. Der Kinobesuch lohnt sich allein schon wegen der schwachen Fistelstimme, die er diesmal hat.

Autor/in: Reto Baer