Vielfilmer Woody Allen erlaubt sich einen Flop

Woody Allens ixter Film «To Rome With Love» erzählt einige ixbeliebige Episödchen, die man trotz Staraufgebot und römischer Kulisse schnell wieder vergisst. Nicht so schlimm, nächstes Jahr macht es Woody bestimmt wieder besser.

Woody Allen fliegt dorthin, wo ihm ein Film finanziert wird, zum Beispiel als Ehepaar Jerry und Phyllis (Judy Davis) nach Rom.
Bildlegende: Woody Allen fliegt dorthin, wo ihm ein Film finanziert wird, zum Beispiel als Ehepaar Jerry und Phyllis (Judy Davis) nach Rom. Ascot Elite

Woody Allen schreibt und dreht jedes Jahr einen Film, und das seit 1982. Nur in der Anfangsphase seit seinem Regiedebüt «What's Up, Tiger Lily?» 1966 gab es einzelne woodyfreie Filmjahre. Bei so einem Ausstoss können natürlich unmöglich alle Filme Meisterwerke sein.

In «Woody Allen: A Documentary» gesteht der 76-Jährige, er mache nur so viele Filme, weil das die Chance erhöhe, dass ihm zwischendurch mal ein guter Film gelinge. Das ist ihm tatsächlich schon oft gelungen, aber nicht bei «To Rome With Love».

Sauglattismus

Der Film ist eine uninspirierte Aneinanderreihung einiger Episoden, die mehr an Fernsehsketche als an einen Kinofilm erinnern. Zum Beispiel die Geschichte vom Römer Giancarlo, der unter der Dusche singt wie ein Operngott (kein Wunder, wird er doch vom Tenor Fabio Armillato gespielt).

Als der amerikanische Opernregisseur Jerry (Woody Allen) herausfindet, dass Giancarlo eben nur unter der Dusche so gut ist, inszeniert er eine ganze Oper um seine Duschkabine herum. Das ist nicht nur vorhersehbar, sondern auch peinlich. Bloss lustig ist es nicht.

Vorhersehbar

Die Leichtigkeit, mit der Woody Allen seinen letzten Film «Midnight in Paris» inszenierte, sucht man in «To Rome With Love» vergeblich. Alles wirkt mühsam konstruiert und zusammen gekittet. Kein Handlungsstrang vermag einen zu begeistern.

Zwar kann man in der Episode um den Bürogummi Leopoldo (Robert Benigni) eine Kritik an Berlusconis Fernsehen ausmachen, aber auch diese Story spult so vorhersehbar ab wie ein Telefonbuch, es beginnt bei A und endet bei Z.

Drittklassig

Schade, denn Woody Allen hat schon mehr als einmal bewiesen, dass er es durchaus versteht, uns zu überraschen. Aber diesmal hat er wohl nur einige drittklassige Ideen verbraten, Ideen, die er auf zahllosen Zetteln festhält, wie er in «Woody Allen: A Documentary» verrät.

Tatsächlich ist dieser Dokumentarfilm, der mancherorts noch im Kino läuft, viel witziger und wertvoller als Woodys neuster Streich. Eingefleischte Fans sollen sich ihre eigene Meinung bilden, alle anderen können auf Woodys Rom-Reise getrost verzichten.

Autor/in: Reto Baer