Wie sich Michelle in Marilyn verwandelt

Es gibt viele Gründe, einen Film zu mögen, zum Beispiel tolle Schauspielleistungen. Und wenn diese dann wie im Fall von Michelle Williams in «My Week With Marilyn» sogar magische Momente erzeugen, dann kann man nur noch begeistert sein.

Neben ihr erscheint die ganze Welt blass: Michelle Williams als Marilyn Monroe.
Bildlegende: Neben ihr erscheint die ganze Welt blass: Michelle Williams als Marilyn Monroe. Ascot Elite

Die Geschichte ist rasch erzählt: Ein 23 Jahre junger Engländer (Eddie Redmaine) betreut 1956 am Set von «The Prince and the Showgirl» die 30-jährige Marilyn Monroe (Michelle Williams). Colin Clark wird 40 Jahre später zwei Bücher darüber publizieren.

Auf diesen Büchern basiert Simon Curtis' «My Week With Marilyn». Nicht so rasch erklären kann man, warum der Film so wundervoll leicht ist wie ein Frühlingshauch. Aber eins ist sicher: Ohne Michelle Williams wäre er das nicht.

Preissegen für Williams

Die zierliche Amerikanerin, die einst mit Heath Ledger liiert war, liefert in diesem eher kleinen Film die Leistung ihres Lebens ab. Das hat ihr einen Golden Globe, eine Oscarnomination und zahlreiche weitere Preise eingebracht und sichert ihre Schauspielkarriere wohl auf Jahre hinaus.

Warum ist Michelle Williams so gut? Weil sie Marilyn Monroe nicht nur spielt, sondern sich regelrecht in sie verwandelt. Von den weichen Bewegungen über die gehauchten Worte bis zu den scheinbar ständig erstaunten Kinderaugen ist sie die Monroe.

Knistern auf der Leinwand

Als männlicher Filmkritiker hat man da eigentlich keine Chance mehr objektiv zu bleiben, deshalb gebe ich es lieber gleich offen zu: Ja, ich bin Michelles/Marilyns Charme voll erlegen. Und ich verstehe nur zu gut, dass Colin Clark die Tage mit ihr nie vergessen hat.

Das Schöne am Film ist nun, dass er es offen lässt, ob überhaupt etwas und wie viel zwischen Clark und der Monroe passierte. Viel wichtiger ist die Dynamik, die Energie, die zwischen diesen völlig verschiedenen Menschen abläuft.

Legendäre Filmstars

Als ob das nicht schon genug für einen tollen Film wäre, taucht der schon fast vergessene Kenneth Branagh wieder auf und liefert als Schauspielerlegende Sir Laurence Olivier, Monroes Filmpartner und Chef, ebenfalls eine Glanzleistung ab.

Mit anderen Worten: «My Week With Marilyn» ist pures Kinovergnügen. Jeder ist selber schuld, der sich diesen Film nicht gönnt. Und mann kann ja die Partnerin auch mal zuhause lassen. Oder?

Autor/in: Reto Baer