Wohin mit der Wut? Wohin mit der Liebe?

«Tyrannosaur - Eine Liebesgeschichte» schildert eine der ungewöhnlichsten Lovestorys, die man in den letzten Jahren im Kino sehen konnte. In den Hauptrollen brillieren Peter Mullan und Olivia Colman.

Daran hat Joseph (Peter Mullan) schon fast nicht mehr geglaubt: Nähe.
Bildlegende: Daran hat Joseph (Peter Mullan) schon fast nicht mehr geglaubt: Nähe. Cineworx

Joseph (Peter Mullan) hat sich in einer Spirale aus Alkohol und Gewalt verloren. Eines Tages tötet er in seiner Wut den eigenen Hund mit Fusstritten. Die nachträgliche Trauer macht ihn nur noch wütender auf sich und die Welt.

Als er mit diesen Gefühlen einen Second Hand Shop betritt, erkennt die Verkäuferin Hannah (Olivia Colman) auf Anhieb sein Dilemma und bietet an, für ihn zu beten. Der Vorfall verwirrt und berührt Joseph gleichermassen.

Suche nach Erlösung

Während er auf der Suche nach Erlösung immer wieder in den Laden geht, erfahren die Zuschauenden, dass Hannah sich selber am wenigsten erlösen kann: Sie steckt in der Ehe mit einem gewalttätigen Mann (Eddie Marsan) fest.

Aus dieser einfachen, aber effektiven Figurenanlage entwickelt der Schauspieler Paddy Considine in seinem Regiedebüt eine Geschichte, die einen im einen Moment tief verstört, im nächsten ohne jegliche Sentimentalität tief berührt.

Engel ohne Flügel

«Tyrannosaur - Eine Liebesgeschichte» macht bewusst, wie wichtig es in Krisensituationen ist, dass man Engeln in Menschengestalt begegnet. So unerwartet sich die Hilfe mitunter anbietet, so überraschend ist auch, dass der «Engel» seinerseits Hilfe bedarf.

Was möglich ist, wenn zwei Menschen einander annehmen, ohne den andern in irgendeiner Form beurteilen oder verändern zu wollen, zeigt dieser Film. Oft keine leichte Kost, doch in seiner Wahrhaftigkeit ein Lichtblick im Kino.

Autor/in: Reto Baer