Bruno Graber, Gefängnisleiter: «Ich unterscheide Tat und Täter»

Seit 36 Jahren ist er im Gefängnis – ohne eine Straftat begangen zu haben. Bruno Graber blickt als Leiter des Zentralgefängnis von Lenzburg hinter hohen Mauern in die Abgründe des Menschen. Warum er trotzdem ans "Gute" glaubt oder sich im Zweifel mit Kaffeebohnen daran erinnert, erzählt er im Focus.

 Bruno Graber.
Bildlegende: Bruno Graber. SRF 3

Als Kunst-Schlosser kam er ins Gefängnis, und drückte im Werkkurs auch Schwerstverbrechern den Hammer in die Hand. "Ich möchte mit Menschen an der Zukunft arbeiten", findet der Aargauer, der 10 Jahre den Hochsicherheitstrakt geleitet hat.

Er begleitet verwahrte Greise bis in den Tod, kümmert sich als siebenfacher Grossvater um Mütter, die mit Babys in U-Haft sitzen oder macht kurzerhand Gefängnis-Führungen für Politiker, die finden, der Alltag im Strafvollzug sei "zu luxuriös". Wenn er nicht zwischen Gut und Böse, zwischen Mensch und Mauer im Einsatz ist, bevorzugt es Graber, unter Schildkröten zu sein.

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Recht heisst nicht Gerechtigkeit: Das lange Leiden der Opfer

30 min, aus Einstein vom 11.4.2019

Moderation: Kathrin Hönegger, Redaktion: Kathrin Hönegger