Justiz im Zwielicht

Eine Sozialtherapeutin begleitet einen verurteilten Sexualstraftäter zur Therapie und wird brutal umgebracht. Das Tötungsdelikt in Genf verstört und bringt die Behörden unter Druck.

Das Zentrum «La Pâquerette» befindet sich auf einem Stockwerk der Genfer Strafanstalt Champ-Dollon und bietet Platz für bis zu 22 Insassen.
Bildlegende: Das Zentrum «La Pâquerette» befindet sich auf einem Stockwerk der Genfer Strafanstalt Champ-Dollon und bietet Platz für bis zu 22 Insassen. Keystone

Die Verantwortlichen hätten versagt, die Öffentlichkeit vor einem gefährlichen Täter zu schützen, lautet ein Vorwurf. Ein anderer: Das Schweizer Rechtssystem sei generell einseitig auf die Besserung der Täter ausgerichtet. Die Opfer würden sträflich vernachlässigt, monieren etwa Opferschutz-Organisationen.

Auch auf politischer Ebene mehren sich die Stimmen, welche im Umgang mit Wiederholungstätern eine härtere Gangart fordern: Im Zentrum des Strafvollzugs müsse die Sicherheit für die Gesellschaft stehen und nicht die Therapierung der Täter.

Rechtsexperten hingegen betonen, dass die Grundrechte auch für Täter gelten. Von wenigen Fällen von extrem gefährlichen Tätern abgesehen, müsse deshalb der Strafvollzug immer auch die Resozialisierung zum Ziel haben.

Gäste:

  • Regula Schwager, Traumatherapeutin, Co-Leiterin Opferberatungsstelle Castagna, Zürich
  • Frank Urbaniok, forensischer Psychiater, Chefarzt des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Kantons Zürich
  • Franz Riklin, emeritierter Professor für Strafrecht, Universität Freiburg

Moderation: Felix Münger, Redaktion: Felix Münger