Batman, Arkham City und die Frauen

Eine Stadt wird zum Irrenhaus: In «Batman: Arkham City» wandelt der wahnsinnige Hugo Strange einen ganzen Stadtteil in ein Privat-Gefängnis um, steckt sämtliche Psychopathen und Schwerverbrecher hinein und lässt sie sich gegenseitig die Köpfe einschlagen.

Catwoman präsentiert: Decolleté.
Bildlegende: Catwoman präsentiert: Decolleté.

Batman versucht inmitten der Anarchie den Geheimplan «Protocol 10» aufzudecken.

In dieser Geschichte bekämpfen wir mit unserem dunklen Ritter nicht nur unzählige Schergen, sondern auch die meisten der Bösewichte aus den DC-Comics. Der Joker ist drin, ebenso Two Face, der Riddler, Penguin, Mr. Freeze, Solomon Grundy, Victor Zsasz usw. usf. Auf einer rein mechanischen Ebene ist diese Parade der Schauerlichen toll gelungen.

Batman als Figur halte ich für den mit Abstand spannendsten Superhelden. Denn er ist zerbrechlich, lebt in einer düsteren Welt ohne Hoffnung, in der alle entweder korrupt oder völlig durchgeknallte Psychopathen sind. Batman ist nicht übermenschlich wie Spider- oder Superman, sondern einfach mit sehr viel Geld und darum hoch entwickelter Technologie ausgestattet. Ein Super-Reicher, der sich die Verantwortung für das Wohl der Menschen selber aufgeladen hat - oder sie heimlich an sich gerissen hat. Denn es ist ja nicht der Milliardär Bruce Wayne, der in aller Offenheit diese Sonderstellung für sich reklamiert, sondern ein geheimer Rächer.

Zu wenig Facetten

Darf ein einzelner Mensch eine so ganz und gar undemokratische Stellung einnehmen? Ist Batman ein Repräsentant des 1%, der Superreichen, die machen, was sie wollen? Und gerade der Penguin, der mit richtigem Namen Oswald Cobblepot heisst, wäre mit seinem breiten Cockney-Akzent und seinen klassenkämpferischen Aussagen ein sehr zeitgemässer Antagonist gewesen.

Doch all diese komplexen Fragen werden in dieser Geschichte nicht ausgelotet. Und das hat mir gefehlt. Das hat wohl mehr mit meiner Erwartung als mit der Absicht der Macher zu tun. Ich hätte mich gerne mit den komplexen Figuren der Comics auseinandergesetzt. Stattdessen ist «Batman: Arkham City» wie ein Bub, der in der in der linken Hand eine Plastik-Action-Figur von Batman hält, in der rechten eine des Jokers und dann die beiden Figuren gegeneinander haut und dazu Kampfgeräusche macht. Wer genau das von einem Batman-Spiel will, eine Art Bösewicht-Pokémon, «Bekämpfe sie alle!», der bekommt es in «Batman: Arkham City» auf angemessen spektakuläre Weise. Aber ich hätte gerne ein anderes Erlebnis gehabt.

Dass die Vielschichtigkeit der Figuren aus den Comics nicht ins Spiel gefunden hat, ist wohl auch ein Grund dafür, dass um «Batman: Arkham City» eine heftige Diskussion um Sexismus aufflammte.

Catwoman als Sexobjekt

Der Vorwurf: Die Darstellung der Frauen im Spiel - Harley Quinn, Poison Ivy, und insbesondere Catwoman - sei zutiefst sexistisch. Es geht im Kern eben genau um die fehlende Komplexität. Denn in den Comics wäre Catwoman durchaus eine vielschichtige Figur, für ihr hypersexualisiertes Auftreten gäbe es Gründe. Ihre Geschichte ist die von Prostitution, Missbrauch und moderner Sklaverei. Von all dem ist im Spiel nichts zu sehen.

Wir steuern stattdessen eine Catwoman, die gerade so gut Sexwoman heissen könnte. Nicht nur ihr Kostüm ist knapp, jede einzelne Äusserung, jede Bewegung ist sexualisiert. Es gibt keinen Grund, warum das so ist, nicht einen Versuch, es zu erklären, keinerlei Kontext. Also ein pures Sexobjekt, und damit ein Paradebeispiel für eine sexistische Darstellung.

Natürlich ist dieses Spiel nicht das einzige, das diesbezüglich sündigt. Doch dass es diese Diskussion gibt, und dass sie auch über Games geführt wird, ist wichtig. Und die seltsamen Argumente, die zur Verteidigung auch des plumpsten Sexismus ins Feld geführt werden, zeigen, wie nötig die Diskussion offenbar noch immer ist.

Wer mit mir über Catwoman oder Batman diskutieren will, kann das im Blog tun.

Die Katze schwänzelt,
die Fledermaus glotzt lüstern.
Dann wieder prügeln.

Zur ausführlichen Kritik

 

 

Autor/in: Guido Berger