Battlefield 3: Erstschlag der Grossmacht

Im Herbst ist Jagd-Saison. Auch in der Game-Industrie: Die grössten Titel des Jahres erscheinen, und das sind auch dieses Jahr Kriegsspiele. Den Erstschlag führt «Battlefield 3» aus.

Angriff auf Teheran
Bildlegende: Angriff auf Teheran

Electronic Arts versucht, dem Rivalen Activison und ihrem Blockbuster «Modern Warfare» den Thron streitig zu machen.

«Battlefield 3» ist ein Kriegsspiel. Es ist in erster Linie ein Multiplayer-Spiel: Einem modernen Räuber-und-Poli gleich kämpfen wir online gegen andere Spieler in Varianten wie «Conquest» (zwei Teams versuchen, strategische Punkte zu erobern und zu halten) oder «Rush» (Angreifer versuchen, nacheinander verschiedene Ziele erfüllen, z.B. etwas sprengen, und Verteidiger versuchen, das zu verhindern).

Dazu gibt es eine Geschichte, die man alleine durchspielt und einige Missionen, die wir mit einem Freund zusammen bestehen.

Blockbuster

Also alle Zutaten eines modernen Blockbusters. Die Marketingmaschine für «Battlefield 3» ist gewaltig, nach Schätzungen soll das Werbebudget in der Grössenordnung von $100 Millionen liegen. Das zahlt sich aus: In der ersten Woche seit Erscheinen wurden bereits 10 Millionen Stück an die Händler ausgeliefert und 5 Millionen Stück verkauft.

Das ist doppelt so viel wie der Vorgänger «Battlefield: Bad Company 2» in zwei Wochen verkaufte. Da sich dieses Spiel insgesamt über 9 Millionen mal verkaufte, ist es nicht unrealistisch, dass «Battlefield 3» in den folgenden Monaten 15, vielleicht gegen 20 Millionen Stück verkaufen wird. Und das würde bedeuten, dass man die Milliarde Umsatz knackt.

Zur Einordnung: Das ist die Grössenordnung von Hollywood-Giganten wie «The Dark Knight», «Transformers» oder «Pirates of the Caribbean», allesamt in den Top 10 der umsatzstärksten Filme aller Zeiten.

Popkultur

Warum sind Kriegsspiele so beliebt? Krieg ist ein Teil unseres kollektiven Bewusstseins. In Afghanistan wird schon so lange gekämpft wie ich mich erinnern kann. Den ersten Irak-Krieg haben wir als Schüler in der Kantonsschule gebannt mitverfolgt. Die Feindbilder  Fanatiker aus dem Nahen Osten  kennen wir alle von klein auf.

Ebenso das ambivalente Verhältnis zu den Russen, die irgendwie schon noch böse, aber nicht mehr so böse wie früher sind. Und die einfach total keine Sorge tragen können zu ihren blöden Atombomben, die dann in jedem zweiten Actionfilm mitten in New York oder Washington auftauchen.

Etwas, das für eine ganze Generation ständig präsent ist, findet sich auch in der Populärkultur wieder. In den 50er-Jahren gab es Helden-Filme mit John Wayne, um das Trauma des Zweiten Weltkrieges zu verarbeiten. Der Vietnam-Krieg brachte eine Jugendbewegung hervor und die Proteste gegen den Krieg inspirierten Musiker und Filmemacher. Für die hochtechnologisierten Kriege von heute bietet sich das hochtechnologisierte Medium Games geradezu an.

Achterbahn

Als Einzelspieler ist «Battlefield 3» eine schwungvolle Achterbahnfahrt. Viele Schauplätze rund um die Welt (New York, Teheran oder Paris), immer wieder andere Spielfiguren und so eine andere Sicht auf Geschichte. Mal sind die Schauplätze klein und eng, mal gross und weit. Und zur «Battlefield»-Serie gehören natürlich Fahrzeuge: So setzen wir uns auch in der Einzelspieler-Geschichte immer mal wieder in ein Kampfflugzeug oder einen Panzer.

Erzählt wird das Übliche: Ein wahnsinniger Typ klaut Atombomben; zwei einsame Kämpfer (ein Ami und ein Russe) schnallen als einzige, worum es wirklich geht; und kämpfen gegen den Bösewicht  gegen den Willen ihrer Vorgesetzten. Das ist Schema X; aber genau das Richtige für einen Blockbuster. Denn hier geht es nicht darum, eine originelle Geschichte zu erzählen. Die ist lediglich die Schablone, um möglichst viel Kram möglichst spektakulär in die Luft fliegen zu lassen.

Die Funktion der Geschichte ist die: Ein Showroom. Uns das neue Auto möglichst schön vorzuführen, wie bei der Probefahrt mit dem Verkäufer. Erst wenn wir selber fahren, lernen wir das Auto richtig kennen  und das ist dann die Aufgabe für den Multiplayer-Modus.

Räuber und Poli

«Battlefield 3» setzt darauf, dass wir unseren Soldaten entwickeln. Für jede erfolgreiche Aktion in den Kämpfen erhalten wir Punkte (Flagge besetzt, Gegner getroffen, Kamerad geheilt, Flugzeug abgeschossen etc.). Diese Punkte schalten mit der Zeit neue Waffen und Accessoires frei.

Eine Innovation ist die Internet-Seite zu «Battlefield 3», das Battlelog, sozusagen die Zentrale des Spiels. Dort sind alle unsere Statistiken einsehbar, dort kommuniziere ich mit Freunden, zu jedem Kampf gibt es ein Logbuch, ich sehe, gegen wen ich gekämpft habe und wer wie viele Punkte gesammelt hat, wie akkurat ich feuere, welche Waffen oder Fahrzeuge ich wie lange benutzt habe und das Verhältnis von Siegen zu Niederlagen. Ich sehe, auf welchen Servern ich gespielt, welche Auszeichnungen ich erhalten und welche Gegenstände ich freigeschaltet habe, bzw. welche Bedingungen ich noch erfüllen müsste, um weitere freizuschalten.

Der Multiplayer-Modus von «Battlefield 3» bietet eine Unzahl von Möglichkeiten; wir können so kämpfen wie wir wollen; und so unsere eigenen Geschichten schreiben.

Wie sich die Einzelspieler-Geschichte von der eines «Modern Warfare» unterscheidet und welche taktischen Neuerungen «Battlefield 3» bringt, lest ihr im Blog: «Battlefield 3: Erstschlag der Grossmacht»

In meinem Panzer
da ist es sicher.
Denn der fliegt nicht in den Berg.

Zur ausführlichen Kritik

Autor/in: Guido Berger