Das glitzernde Pop-Kaleidoskop Child of Eden

Child of Eden ist ein Kaleidoskop. Wir fliegen durch naturinspirierte Farben und Formen, bewegen uns im Rhythmus zu japanischem Elektro-Pop. Doch die audiovisuelle Pracht leidet unter spielerischen Mängeln.

In Bewegung und mit Musik noch schöner: Child of Eden.
Bildlegende: In Bewegung und mit Musik noch schöner: Child of Eden.

In einem an japanische Kosmetik-Werbung erinnernden Intro wird uns erklärt, worum es in Child of Eden geht: Das Internet ist der Ort, wo das gesamte Wissen der Menschheit abgespeichert ist. Nicht nur Wissen, auch Weisheit, also nennt man das Netz nun Eden. Und da drin entsteht gerade eine künstliche Intelligenz. Mit dem Namen Lumi, die mit ihrer Schönheit sozusagen die reine Menschlichkeit verkörpert. Die Zuckersüsse ist bedroht von Viren, die sich im Netz eingenistet haben und die Fertigstellung von Lumi verhindern wollen. Unsere Aufgabe: Kammerjäger.

Wir steuern dabei nichts, sondern fliegen auf einem festgelegten Pfad durch die Welt. Viren und andere Viecher tauchen in festen Mustern auf, und wir beseitigen sie. Die Musik spielt dabei nicht nur die Rolle der unauffälligen Begleitung: Gegner erscheinen und bewegen sich im Rhythmus, und auch unsere Schüsse passen sich automatisch in den Track ein. Wir bewegen uns also gewissermassen durch einen interaktiven, visualisierten Trance-Track, wir spielen weniger als dass wir dirigieren.

Audiovisuelle Wucht

Die visuelle Umsetzung der Welt von Eden ist schlicht atemberaubend - Cyberraum, Biolumineszenz und Techno-Ästhetik. Im Level «Leidenschaft» beschleunigen wir zum Beispiel zu Beginn eine Zellteilung, schwirren dann durch ein Uhrwerk mit Zahnräder werfenden Mechano-Flugsauriern und springen von da in eine Cyberpunk-Wolkenkratzerwüste. «Im Rausch der Sinne ist die reine Schönheit der Mitteltpunkt», sagt uns Child of Eden einmal, und das ist unglaublich schmalzig, aber trotzdem wahr.

Spielmechanische Probleme

Doch trotz dieser audiovisuellen Wucht schimmern in Child of Eden Design-Probleme durch. Wenn wir einen Level spielen, müssen wir das von Anfang bis zu Ende in einem Zug schaffen. Doch auch wenn wir ganz kurz vor Schluss am allerletzten Gegner scheitern, müssen wir den Level trotzdem wieder von ganz vorne beginnen. Nichts reisst so aus einem Spiel heraus wie der Frust, der aufwallt, wenn man gezwungen wird, zehn Minuten zu wiederholen, nur um wieder zu dem Gegner zu gelangen, an dem man noch nicht vorbeikommt.

Auf der Xbox kann man Child of Eden entweder mit dem herkömmlichen Kontroller spielen oder mittels Kinect, also vor dem Fernseher herumhampeln ohne etwas in der Hand. Diese Art der Steuerung hat aber nicht so gut funktioniert, wie es auf den Marketing-Videos aussieht (siehe unten). Das System ist träge und unpräzise. Das verändert das Spielgefühl komplett. Mit dem herkömmlichen Kontroller führt man schnelle, unspektakuläre Bewegungen aus und hat das Spiel meist unter Kontrolle. Mit Kinect fuchtelt man herum und versucht, Fehler des Systems zu korrigieren. Man hechelt hektisch dem Spiel hinterher, das Spiel kontrolliert uns.

Trotzdem ist Child of Eden ein Spiel, das man sich ansehen sollte - weil es schlicht ein Erlebnis bietet, das man sonst nirgends haben kann.

Guido Berger

Habt ihr mit der Kinect-Steuerung andere Erfahrungen gemacht? Diskutiert hier mit: «Child of Eden: Glitzerndes J-Pop-Kaleidoskop mit Design-Schwächen».

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