Das Meisterwerk «The Elder Scrolls V: Skyrim»

Ich bin ein schlechter Jäger. Das habe ich in «The Elder Scrolls V: Skyrim» erlebt. Doch ihr erlebt im riesigen nordischen Land «Skyrim» mit seinen Heiden, Bergtälern, Nadelwäldern, Fjords und Geysiren wohl etwas ganz anderes.

Der Hase hat sich aus dem Staub gemacht.
Bildlegende: Der Hase hat sich aus dem Staub gemacht.

Kaum ein Spiel ist so gross, so schön und breitet so viel zum Entdecken und Erleben vor uns aus.

Ich habe einen Hasen gejagt, allerdings erfolglos. Das Viech ist mir davon gerannt. Mehr Erfolg hatte ich mit einem Walross, denn das war langsam.

Ich war geladen zum Empfang in einer Botschaft, mit Apéro für die versammelte Elite von Skyrim; ich machte mich über das Buffet her und steckte so viele Honigbällchen, gebratene Fischhäppchen, Käse-Räder und Donuts ein wie ich tragen konnte.

Ich kaufte mir in Whiterun ein Haus an bester Lage und richtete es schön ein, mit Hilfe eines Innenarchitektur-Katalogs.

Ich kämpfte zweimal gegen Eis-Trolle und musste einsehen, dass man die besser in Ruhe herumtrollen lässt.

Ich stieg auf einen Berg, entdeckte dort eine verfallene Grabstätte - und als aus dem Sarkophag ein untoter Magier sprang, erschrak ich so, dass ich über die Klippe den Berg hinunterfiel.

Das ist das Beste an «Skyrim»: Die Geschichten, die wir erleben. Und wir alle erleben andere. Denn die allerwenigsten dieser Geschichten stehen so in einem Skript. Es sind Geschichten, die aus der Spielwelt entstehen durch unser Handeln. «Skyrim» ist deshalb ein Computer-Spiel in seiner reinsten Form: Wir sind der Hauptdarsteller auf einer gewaltigen Bühne und wir allein füllen die Welt mit Leben und Handlung.

Natürlich gibt es einen Hauptstrang der Geschichte: Unsere Figur ist ein «Dovahkiin», ein «Dragonborn», wir haben Drachenblut und können deshalb die Sprache der Drachen lernen: Mit mächtigen Rufen («FUS! DO! RAH!») Dinge durch die Luft schleudern oder Feuer spucken oder Gegner lähmen. Praktisch, denn irgendjemand erweckt alte Drachen zum Leben und nur wir können die Welt vor ihrem Untergang retten.

Doch den meisten wird es so ergehen wie mir: Wir schieben das Held-Sein auf die lange Bank und ziehen stattdessen durch die Wälder. «Skyrim» baut ein verschwenderisch üppiges Buffet der Beschäftigungen vor uns auf, und wir entscheiden frei, was uns anmacht. Ganz zu Beginn des Spiels kämpfen wir uns durch ein Verliess und lernen die notwendigsten Bewegungen. Doch kaum hat uns das Verliess ausgespuckt, stehen wir in einer wunderschönen nordischen Bergwelt und können tun und lassen, was wir wollen. Und ich ging erstmal Hasen jagen. Und Blumen pflücken. Und wenn man ein so schlechter Jäger ist wie ich, muss man halt hier und da ein Stück gebratenes Wild mitgehen lassen. Leben von dem, was das Land hergibt, das ist der Weg des Wald-Elfen.

«Skyrim» spielen wir alleine, wie die ganze «The Elder Scrolls»-Reihe. Heute wirkt das schon richtig angestaubt, gibt es doch kaum noch ein Spiel, das nicht irgendeine Online-Komponente anbietet. Doch weil «Skyrim» auf Online verzichtet, schenkt es uns eine Welt, die uns ganz allein gehört, in der wir unsere eigenen Geschichten erleben, in der es nicht um Ranglisten und Erfolge und Status geht.

Das funktioniert grossartig: Hersteller Bethesda hat mitgeteilt, dass sieben Millionen Stück ausgeliefert und die Hälfte davon in den ersten zwei Tagen verkauft wurden. Nachdem das Genre «Single Player Epic» von vielen bereits totgesagt wurde, beweist «Skyrim», dass es noch immer sehr vielen ein Bedürfnis ist, für sich alleine in einer Welt versinken zu können.

Mehr Geschichten meiner Erlebnisse in Skyrim und meiner Beziehung zu Lydia lest ihr im Blog: «Ich liebe, liebe, liebe The Elder Scrolls V: Skyrim».

Tonnenweise Lauch,
Nur eine hilft mir tragen:
Treue Lydia!

Zur ausführlichen Kritik

Autor/in: Guido Berger