Dirt 3 - Die Schönheit des Rallye-Sports

Schön ist, was man normalerweise unter Kunst versteht: Musik, Malerei, Schauspiel. Doch schön ist auch Rallye. Mensch und Maschine verschmelzen, bewegen sich genau auf der Grenze des physikalisch Möglichen.

Immer rutschen, aber nie die Kontrolle verlieren - so geht Gymkhana.
Bildlegende: Immer rutschen, aber nie die Kontrolle verlieren - so geht Gymkhana.

Das Spiel Dirt 3 gibt uns die Möglichkeit, selber Teil dieser Verschmelzung zu sein - ohne dabei Kopf und Kragen riskieren zu müssen.

Eigentlich geht ein Rallye-Spiel immer gleich: Man wählt eine Strecke und ein Auto aus, und los geht's. Mit der Zeit schaltet man neue Strecken und neue Autos frei. Dirt 3 liefert dabei sehr viel Abwechslung, denn nicht nur Rallye im strengen Sinn (alleine auf einem Streckenabschnitt gegen die Uhr) ist im Spiel, sondern jede andere erdenkliche Variante von Autorennen abseits asphaltierter Rennstrecken. Für Rallye-Gourmets sind erstmals auch die Autos der legendären Gruppe B enthalten: Die komplett durchgeknallten Turbo-Monster der 80er-Jahre wie ein Ford RS200, ein Lancia Delta S4 oder ein Audi Quattro S1. Und nachdem man die Gruppe B nach mehreren schweren Unfällen wieder abschaffte, muss man sagen, dass diese Autos in einem Computerspiel wohl besser aufgehoben sind als im richtigen Leben.

Die Illusion, ein Auto zu beherrschen

Doch was Dirt 3 von anderen Rallye- und Renn-Spielen unterschiedet, sind nicht einzelne Features. Dirt 3 schafft es vor allem, die Schönheit dieses Sports zu erfassen und für uns zu übersetzen. Dirt 3 gibt uns das Gefühl, wie es wäre, wenn wir tatsächlich die Fähigkeiten eines Rallye-Fahrers hätten. Es gibt uns die Illusion, auf den schwierigsten Dreck-Strecken der Welt ein Auto zu beherrschen, das zwar immer rutscht, aber nie ausser Kontrolle gerät.

Dirt 3 geht dabei nicht den Weg der Simulation. Das sieht zwar alles aus wie echt, aber das Spiel nimmt uns heimlich an der Hand und ist nachsichtig. Wann immer wir sauber durch eine langgezogene Linkskurve driften oder mit einem astreinen Scandinavian Flick das Heck durch eine Spitzkehre schleudern, nimmt sich die Fahrphysik generös zurück. Statt uns unbarmherzig in die Bäume abfliegen zu lassen, hilft uns das Spiel sachte, den Wagen unter Kontrolle zu behalten und dabei gut auszusehen. Denn das ist es, was wir wollen: Mit Tempo durch die Kurven rutschen. Dirt 3 gibt es uns.

Neue Disziplin: Gymkhana

Das wird nirgends so deutlich wie in Gymkhana, der wichtigsten neuen Disziplin in Dirt 3. Gymkhana ist das, was herauskommt, wenn die coolen Energy-Drink-Kids der X-Games-Generation ein Rallye-Auto anschauen und sich fragen: Was könnte man damit sonst noch anstellen, statt schnell von A nach B durch den Wald zu fahren?

Rallye-Fans kommen an Dirt 3 ohnehin nicht vorbei. Und wer nicht versteht, was an Rallye toll sein soll, könnte nach Dirt 3 seine Meinung ändern.

Durch Kurven rutschen,
und dabei denken: Oh yeah!
Die schönste Täuschung.

Autor/in: Guido Berger