Dustforce: Zwanghafte Putz-Akrobatik

Putzen ist das Streben nach Perfektion. Eine blitzblanke Fläche mit einem Fettfleck drauf ist nicht blitzblank. Und genau um dieses Streben nach Perfektion geht es in Dustforce. Mit einem  Hausmeister springen wir durch Wälder und Schlösser.

Akrobatisch saugen: hoffentlich bald olympisch.
Bildlegende: Akrobatisch saugen: hoffentlich bald olympisch.

Wir sollen alles perfekt blitzblank putzen, schnell und elegant. Dustforce ist grossartig und gnadenlos schwierig.

In Dustforce haben wir vier Hausmeister zur Auswahl, namenlos, dafür umso akrobatischer. Denn einen Level zu säubern genügt nicht. Möglichst schnell und elegant sollen wir putzen. Es gibt Wald-Level, wo wir Laub wegfegen, ein Schloss, das abgestaubt, eine Stadt, die vom Abfall befreit, und ein Labor, das entschleimt werden will.

Unseren Besen (oder Staubsauger oder Putzlappen) müssen wir nicht aktiv bewegen. Wenn wir über eine verschmutzte Stelle laufen, wird sie automatisch geputzt. Es geht also eigentlich darum, eine ideale Rennlinie zu finden; die verschmutzten Stellen sind gewissermassen die zu durchfahrenden Tore.

Komplexe Steuerung

Es gibt Doppelsprünge (in der Luft noch einmal springen, um höher oder weiter zu kommen), Wandsprünge (an einer Wand im Herunterrutschen seitlich neu abspringen) und einen Zusatzschub (am Boden oder in der Luft). Wenn wir die Pfeiltaste nach oben drücken, können wir eine kurze Zeit an einer Wand hoch- oder sogar an der Decke entlang laufen.

Dazu laufen in den Levels noch verschmutzte Viecher oder Personen herum, z.B. mit Staub überzogene Dienstmädchen oder in Laub gehüllte Waldtiere. Mit einem beherzten Schlag mit unserem Besen befreien wir sie davon, möglichst bevor sie uns beissen.

Dustforce bewertet unsere Leistung in jedem Level in zwei Kategorien: «Completion» (haben wir allen Schmutz beseitigt) und «Finesse» (war die Putzaktion schnell und elegant). «S» ist sehr gut, und nur wenn wir einen Level mit einem Doppel-S abschliessen, erhalten wir einen Schlüssel, um weitere Levels freizuschalten.

Das «S» in «Completion» ist nicht allzu schwierig zu erreichen. Es reicht, wenn man zwanghaft jedes Flecklein Dreck wegputzt. Die Herausforderung ist das «S» in «Finesse». Denn um dieses zu erhalten, dürfen wir nie den Schwung verlieren und keinen Fehler machen.

Replay-Videos der Besten

Nach vielen Versuchen mit der Ohrfeige einer «C-B»-Bewertung mag die Frage auftauchen, warum um alles in der Welt wir zwei, drei Minuten brauchen, während die Besten in der High-Score-Liste den Level unter 40 Sekunden schaffen. Doch im Gegensatz zu anderen Spielen ist in Dustforce keine Suche bei Youtube nötig - wir können jeden Lauf eines Ranglisten-Eintrags ansehen.

Diese Replay-Videos sind schlicht eine geniale Idee. Wir können von den Besten lernen. Wenn jemand einen besonders schnellen, eleganten Weg findet, wissen sofort alle Bescheid. Das gibt ein Gefühl der Gemeinschaft. Und es motiviert, denn wir verlieren nie den Glauben, dass eine gute Zeit möglich ist.

Das ist also ein hammerhartes, gnadenloses Spiel. Aber es ist nie unfair. Die Steuerung ist absolut präzise. Die schlichte, stilisierte Grafik lenkt nie ab oder unterbricht den Fluss. Die Musik beruhigt mit glänzendem Elektropop. Der Stress entspringt allein dem Verlangen, einen perfekten Level hinzulegen.

Warum uns Dustforce zu Speedruns erzieht, lest ihr im Blog: «Dustforce: Zwanghafte Putz-Akrobatik».

Staub und Schleim muss weg.
Doch wer nur grummelnd rumschlurft,
erntet Verachtung.

Zur ausführlichen Kritik

Autor/in: Guido Berger