Eins werden mit der Zipfelmütze

«The Legend of Zelda: Skyward Sword» ist der 16. Eintrag in Nintendos «Zelda»-Reihe und markiert das 25-Jahr-Jubiläum des beliebten Action-Adventures.

Kleiner Held, grosse Gegner: Link in «The Legend of Zelda: Skyward Sword»
Bildlegende: Kleiner Held, grosse Gegner: Link in «The Legend of Zelda: Skyward Sword»

Gespielt wird auf der Wii-Konsole; mit einem speziellen Controller, der Armbewegungen noch genauer in Schwerthiebe des Bildschirm-Helden Link verwandelt.

Das erste, das einem «Zelda»-Unkundigen bei «Skyward Sword» ins sprichwörtliche Auge sticht, ist die Grafik. Die kann nämlich nicht mit den fein gerenderten Tableaus anderer Konsolenspiele mithalten. Allerdings: Die Designer wissen mit dieser Beschränkung gut umzugehen. Die Welt von "Skyward Sword" erinnert mit ihren grossflächigen, in ausgewaschene Farben getauchten Landschaften und den kindlichen Figuren an Anime-Klassiker wie "Mein Nachbar Totoro". Schnell wird klar, dass ein gutes Spiel auch mit weniger als 1280x720 Pixel funktioniert.

Nicht nur in Sachen Grafik, auch was die Story angeht herrscht bei «Skyward Sword» Konstanz - schliesslich sind alle «Zelda»-Spiele blosse Variationen der immer gleichen Geschichte: Niedliche Prinzessin (Zelda) liebt den mit grünem Mantel und Zipfelmütze ausgestatteten jugendlichen Helden (Link), Prinzessin wird von Bösen Mächten entführt, Held rettet sie. So auch diesmal, in einer Art Prequel, das die junge Zelda zeigt, bevor sie zur Prinzessin wird und auch Link sich erst noch seine Sporen als Held abverdienen muss.

Wildes Draufhauen ist nicht mehr

Neu ist aber die Art und Weise, mit der wir Link bei seinem Abenteuer durch Landschaften und Dungeons, Wälder und Höhlen steuern: Der notwendig erforderliche Motion-Plus-Controller sorgt dafür, dass unsere Bewegungen noch genauer in die Schwertschläfe des Helden auf dem Bildschirm übertragen werden.

Und das hat Folgen: In früheren «Zelda»-Spielen gingen auch die schwersten Gegner durch wildes Drücken von Tastenkombinationen irgendwann in die Knie. Beim ersten bewegungsgesteuerten Titel für die Wii-Konsole («Twilight Princess» von 2006) führte das wilde Schwingen des Controllers zum selben Resultat. Doch nun ist Präzision gefragt. Statt jede Armbewegung in den mehr oder weniger gleichen Schlag auf dem Bildschirm zu übersetzen, wird nun wichtig, in welche Richtung wir unser Schwert führen.

Schwert, Peitsche, Schmetterlingsnetz

Fleischfressende Pflanzen zum Beispiel lassen sich nur mit einem horizontalen Schlag dem Maul entlang besiegen. Andere Gegner müssen mit diagonalen Schlägen erledigt werden oder mit einem beherzten Stich nach vorne. Klar dass der Kampf so intensiver wird, man ist als Spieler mitten drin. Übertrieben gesagt: Wir verschmelzen mit unserer Spielfigur.

Und auch abseits der Schwertkämpfe sorgt die Steuerung für neue Herausforderungen (von denen einige an die «Wii Sports»-Spiele erinnern). So segelt Link etwa auf dem Rücken eines Riesenvogels durch die Luft, lässt die Peitsche knallen oder wirft einen Bumerang - und der Erfolg solcher Aktionen hängt stets von der präzisen Steuerung ab. Auch wenn wir Insekten jagen und dabei unser Schmetterlingsnetz (sprich: unseren Controller) gaaaaanz ruhig halten müssen.

Ein Heim über den Wolken

«Skyward Sword» nimmt nur langsam Fahrt auf. Es können Stunden vergehen vom Beginn des Spiels in Zeldas und Links Heimat über den Wolken bis zu dem Moment, wo Link endlich Fuss setzt auf die von Ungeheuern und Dämonen belagerte Welt am Boden.

Doch Langeweile kommt dabei nicht auf. Gerade zu Beginn haben wir stets das Gefühl, etwas ungeheuer wichtiges zu erledigen. Erst später, wenn uns bestimmte Aufgaben häufig dasselbe Gebiet durchqueren lassen oder wir immer wieder für kleinere Erledigungen zwischen der Welt am Boden und der in der Luft hin- und herpendeln müssen, legt sich die Begeisterung zuweilen.

Die Blumen am Wegesrand

«The Legend of Zelda: Skyward Sword» zeigt, dass ein Spiel wohl kindlich aussehen kann, ohne deswegen kindisch zu sein. Und dass auch in einem alten Titel mit altbekannter Story dank neuen technischen Möglichkeiten (verbesserte Bewegungssteuerung) noch viel drin Spass steckt. Entsprechend begeistert geben sich Fans und Kritiker, die dem Game reihum Höchstnoten verleihen.

Nicht zu Unrecht: «Skyward Sword» öffnet eine Welt, die uns zwar linear einer Geschichte entlang führt und nur wenig freies Umherstreifen zulässt, dabei aber so bezaubernd wirkt, dass man seine Spielfigur an manchen Stellen auch gerne ein wenig stehen lässt, bloss um die Landschaft zu geniessen. Kurz bevor die Wii in Rente geht (der Nachfolger Wii-U ist für Sommer 2012 angekündigt), zeigt Nintendo, welche Möglichkeiten in der Konsole stecken.

Autor/in: Jürg Tschirren