Gears of War 3: Feuerwerk in Braun

In einer zerstörten Welt aus graubraunen Trümmern kämpfen echte Männer mit breiten Stiernacken gegen gelb leuchtende Schleiminsekten-Zombies. Das ist Gears of War 3; ein unbestritten hervorragendes Spiel, das mir überhaupt nicht gefällt.

Gears of War 3 fühlt sich an, als hätte es sich ein Teenager mit ADHS ausgedacht. Genau das findet ein mit Hormonen gut gefüllter Zappelphilipp «COOL!!». Es geht ausschliesslich darum, es knallen zu lassen.

Keine Makel

Technisch macht Gears of War 3 alles richtig: Die Waffen sind unterscheidbar und gut voneinander abgegrenzt, sie ermöglichen unterschiedliche Spielstile (Suche ich den Nahkampf oder bleibe ich lieber auf Distanz?). Die Schauplätze sind manchmal eng, manchmal weit. Gegner kommen nicht nur von vorn, sondern immer wieder mal von allen Seiten. Und kaum ein anderes Spiel stellt Streiflicht oder Staub so schön dar.

Trotz alledem gefällt mir Gears of War 3 überhaupt nicht. Ich kann zwar verstehen, warum die Serie und besonders diese dritte Ausgabe gelobt und geliebt werden. Aber jede kreative Entscheidung der Designer stösst mich vor den Kopf.

In dieser Welt will ich nicht sein

Da wären zunächst die Figuren. Ich habe versucht, die Oberarme, die breiter sind als meine Schenkel, die Stiernacken, die total männlichen Sprüche ironisch zu sehen, als Action-Klischees, als Kommentar des Genres. Oder sie umgekehrt ernst zu nehmen und als Charaktere zu verstehen, deren Welt zerstört ist, die alles verloren haben, Freunde, Familie, und deren einzige verlässliche Konstante der Krieg geblieben ist. Doch auf die Dauer hat beides nicht funktioniert. Die Figuren und ihre Sprüche sind mir einfach zu platt und zu dumm.

Auch die Welt ist keine, in der ich mich lange aufhalten will. Sehr braun und grau. Alles ist zerstört und voller Monster - und deren Gestaltung macht mir noch mehr Mühe. Ich mag weder Spinnen, noch Zombies, noch Insekten, noch Schleim. Praktisch jeder meiner Gegner ist ein Monster, das genau aus diesen Zutaten gemacht ist.

All diese Entscheide haben die Entwickler bewusst gefällt, und was mich abstösst, finden andere gerade toll. Ich kann nachvollziehen warum und ich respektiere das grossartige Handwerk, aber diese Welt aus Schlamm und Schleim mit ihren tumben Anabolika-Brocken ist nicht die meine.

Wer wissen will, warum ich auch mit der Spielmechanik Mühe hatte, liest das im Blog: «Gears of War 3: Schizophrenes Feuerwerk in Braun».

Braungelber Schleimstrom!
Hinter der Mauer zappeln
Jocks in der Bromance.

Zur ausführlichen Kritik

Autor/in: Guido Berger