Ghost Recon: Future Soldier – viel Spielzeug für den Krieger von Morgen

Mit Köpfchen und Knarre: In Ghost Recon: Future Soldier ist das sorgfältige Planen eines Angriffs wichtiger als das darauf folgende Bäng-Bumm! selbst. Als Anführer einer Spezialeinheit sind wir rund um den Globus auf der Suche nach einer schmutzigen Bombe.

Ghost Recon, das war immer so etwas wie der Buchhalter unter den Kriegsspielen: Statt ultraschneller Reaktionszeit war planerische Sorgfalt gefragt. Statt wildem Schiessen mit grobem Geschütz das präzise Mikromanagement des eigenen Teams.

Nicht dass Planung und Taktik bei Ghost Recon: Future Soldier keine Rolle mehr spielen, aber man merkt dem neusten Teil der Reihe an, dass auf die Konkurrenz von Spielen wie Modern Warfare oder Battlefield reagiert wurde. Sprich: Mehr Action, weniger Buchhaltung.

Anschleichen, Schiessen und unbemerkt verschwinden

Die vier Soldaten des eigenen Teams agieren dank mehr AI nun selbständiger. Es genügt, Ziele für sie zu markieren und die Soldaten begeben sich von selbst in die beste Schussposition und warten auf den Befehl zum Loslegen. «Sync Shot» heisst dieses neue Feature, das Ghost Recon typisches Anschleichen und warten schön mit actionlastigeren Spielelementen vereint.

Denn Anschleichen und auf den richtigen Moment warten spielen auch bei Future Soldier eine grosse Rolle. 14 Missionen gibt es zu erfüllen. Und bei einigen davon gilt es, gänzlich oder möglichst lange unentdeckt zu bleiben. Dabei kann eine futuristische (das Game spielt - kaum merkbar - in naher Zukunft) Tarnvorrichtung helfen, die den Spieler unsichtbar macht, solange er sich nur langsam bewegt und keinen Lärm macht.

Gadgets machen das Kämpfen leichter

Sowieso, die Gadgets: Future Soldier hält gleich dutzendfach Geräte und Waffen bereit, die langsam ausprobiert und in Missionen eingesetzt werden können. Eine Drohne etwa, mit der sich Ziele aus der Ferne markieren und notfalls eliminieren lassen. So können einzelne Missionen absolviert werden, ohne dass der Spieler selbst einen einzigen Schuss abgibt.

Weit verheerender ist der Warhound: Ein vierbeiniger Kriegsroboter, bis oben vollgestopft mit Raketen und Mörsern, der dann zum Einsatz kommt, wenn weder Tarnung noch Raffinesse die Situation retten können. Die Momente, in denen sich taktisches Planen, kluger Einsatz der verschiedenen Gadgets und handfeste Action vereinen, gehören zu den besten von Ghost Recon: Future Soldier.

High Tech vs. Flip-Flops

Aber die Fülle an coolen Waffen und Geräten stürzt den feinfühligen Spieler auch in ein Dilemma: Wenn er wie bei der Mission in einem afrikanischen Flüchtlingslager Milizen gegenübersteht, die ihre schrottigen AK-47 in Flip-Flops und kurzen Hosen spazieren tragen. So viel asymmetrische Kriegsführung - High Tech auf der einen, Elend auf der anderen Seite - trübt auch die Freude über den gelungensten Feuerüberfall.

Nachdenken anregen über die Form moderner Kriege ist wohl kaum das wichtigste Anliegen von Future Soldier (und auch nicht von Tom Clancy, dessen hurrapatriotischen Kriegsromane der Reihe Pate stehen). Und trotzdem zeigt das Spiel den Krieg facettenreicher als andere Spiele seiner Art: Im besagten Flüchtlingslager tummeln sich nicht nur die bösen Milizen, auch Vertriebene und Kriegsopfer laufen dort herum. Das Spiel setzt sie ein, den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen - Kollateralschäden sind nach Möglichkeit zu vermeiden - doch zwangsläufig lassen sie auch an die Opfer des Krieges denken.

Autor/in: Jürg Tschirren