Im Stadion nichts Neues

«Nach dem Spiel ist vor dem Spiel», sprach einst Sepp Herberger. Und hätte damit auch die Fussball-Games der FIFA-Reihe meinen können.

...und am Ende gewinnt immer Deutschland.
Bildlegende: ...und am Ende gewinnt immer Deutschland.

Die neuste Ausgabe heisst UEFA EURO 2012 und erscheint rechtzeitig zur Fussball-EM im Sommer. Ausser ein wenig EM-Stimmung hat das Spiel aber wenig neues zu bieten.

Man kann die Uhr danach richten  oder zumindest den Kalender: Jeden Herbst erscheint ein neues FIFA-Fussball-Game aus dem Hause EA Sports. Seit 1993 ist das so, eine halbe Ewigkeit.

Weil ein neues Fussball-Spiel alle 12 Monate für manche zu wenig ist, erscheinen in WM und EM-Jahren zusätzliche Spezialausgaben, die mit Nationalteams an den Original-Schauplätzen (sprich: Stadien) kicken lassen.

Diese WM- und EM-Ausgaben bieten selten substantiell Neues, korrigieren aber kleine Unschönheiten des letzten Titels, führen neue Spielmöglichkeiten ein und zeigen so an, wohin es mit der Reihe weitergeht.

Nur noch als Download

Mit UEFA EURO 2012 ändert EA Sports nun seine Veröffentlichungspolitik. Statt als Vollversion ist das Spiel nur als zusätzliches Downloadmaterial zum bereits im Herbst erschienenen FIFA 12 erhältlich.

Das heisst: Wer FIFA 12 besitzt, kann sich auf der Playstation, Xbox oder dem PC die EURO-Erweiterung herunterladen. Natürlich nicht gratis: Mit gut 30 Franken kostet UEFA EURO 2012 zwar deutlich weniger als die früheren Titel, ein Schnäppchen ist das Spiel damit trotzdem nicht.

Keine Neuerungen

Zumal es kaum Neues bietet  von EURO-Teams, EURO-Stadien und blumiger EURO-Grafik einmal abgesehen. Anders als gewohnt, wurde die Spielmechanik 1:1 vom Vorgänger übernommen. Ein Stürmer dribbelt und flankt in UEFA EURO 2012 kein bisschen anders als in FIFA 12.

Was nicht schlimm ist, schliesslich ist FIFA 12 immer noch eine Art Referenztitel, was Fussbal-Games angeht  (siehe dazu auch die  in Haiku-Form verfasste  Spielkritik meines Kollegen Guido Berger).

Expedition Mode sorgt für Abwechslung

Immerhin: Mit dem sogenannten Expeditionsmodus hat UEFA EURO 2012 eine neue Spielart auf Lager, die auch längerfristig unterhalten kann. Der Modus beginnt mit der Wahl eines Spitzenspielers, um den herum nach Zufallsprinzip ein Team aus nicht ganz so guten Spielern gebildet wird. Auch Teamnamen, Trikots etc. kann man selbst auswählen.

Danach beginnt ein Turnier, das ein wenig an den Brettspielklassiker Risiko erinnert: Zug um Zug wird gegen Mannschaften aus ganz Europa gespielt. Das beginnt mit Fussballzwergen wie San Marino und endet bei Spitzenspielen gegen Spanien oder Deutschland.

Wird eine gegnerische Mannschaft zum ersten Mal besiegt, kann ihr ein Reservespieler weggeschnappt werden. Beim zweiten Sieg ist es schon ein Ersatzspieler und beim dritten Mal ein Spitzenspieler aus der ersten Mannschaft. So wächst mit der Zeit eine Mannschaft aus handverlesenen Spielern der besten europäischen Nationalteams.

Fehlende Lizenzen

Abgesehen vom Expeditionsmodus bleibt UEFA EURO 2012 aber vor allem für Komplettisten und EURO-Verrückte interessant. Wobei: Letztere dürften enttäuscht darüber sein, dass sich EA Sports diesmal fast nur um die Lizenzen der qualifizierten Teams gekümmert hat (und selbst dort fehlt die Ukraine). Länder wie Andorra müssen dagegen in fiktiven Trikots und mit fiktiven Spielern antreten.

Beim Schweizer Team hat es immerhin für die Namensrechte gelangt. Inler und Co. können also den Weg ins Final antreten. Und machen das Spiel noch für eine zusätzliche Gruppe interessant: Revanchisten, welche die Schmach des Schweizer EURO-Ausscheidens wenigstens am Computer tilgen wollen.

Autor/in: Jürg Tschirren