Lollipop Chainsaw: Zombies! Cheerleader! Wahnsinn!

Lollipop Chainsaw - kaum zwei Worte, die mehr Erwartung wecken als diese beiden. Und tatsächlich: Schaut man sich das neuste Game aus der Küche von Japans Entwickler-Weirdo Suda51 an, ist da alles, was man sich wünscht: Zombies, Rockabilly-Väter, 8-Bit-Minigames.

Spielfigur Juliet Starling: Kettensägenmassaker 2.0
Bildlegende: Spielfigur Juliet Starling: Kettensägenmassaker 2.0

Bloss spielen tut sich das Game nicht ganz so gut, wie man sich wünscht .

Was kann ein Spiel falsch machen, das «Lollipop Chainsaw» heisst? Und in dem es um kaum etwas anderes geht, als Zombies kunstvoll mit der Motorsäge zu zerteilen? Und das als Endgegner Typen hat wie Vikke, den «King of Viking Metal»? Oder Josey, der aussieht wie Bootsy Collins mit Totenkopfschminke, in Auto-Tune spricht und sein eigenes kleines UFO dabei hat?

«Nichts, absolut gar nichts kann so ein Spiel falsch machen!» ist man geneigt zu rufen - und ist ein wenig enttäuscht, wenn man es dann tatsächlich spielt. Nicht weil die Geschichte lächerlich wäre: Eine Story um eine Familie von Zombie-Jägern, deren jüngste die Monster im ultraknappen Cheerleader-Kostüm zur Strecke bringt, kann nicht anders als trashigen B-Movie-Charme versprühen.

Krachige Bilderwelt

Auch nicht, weil es an visuellen Gags, popkulturellen Referenzen und Wahnsinnsideen fehlen würde. Da hat Japans Chef-Exzentriker Goichi Suda (Suda51) mal wieder ganze Arbeit geleistet. Minigames, die an Pacman und Q-Bert erinnern? Check. Zombies, die sich die Zeit mit Breakdancen vertreiben? Check. Verweise auf allerlei Zombie-Klassiker und eine Highschool, die ausgerechnet San Romero High heisst? Gibt's ebenfalls.

Auch an den Dialogen liegt es nicht. Hier hat James Gunn ganze Arbeit geleistet (er war auch für das Drehbuch des Klassiker-Remakes «Dawn of the Dead »mitverantwortlich). Selbst der Soundtrack ist klasse: Zu Toni Basils New-Wave-Klassiker «Hey Mickey» rollen die Zombie-Köpfe besonders schön. Und Bands wie MSTRKRFT oder Sleigh Bells passen gut zur krachigen Bilderwelt von Lollipop Chainsaw.

Ausdauer statt Geschick

Nein, dass man den Controller schneller aus der Hand legt als erwartet, liegt an etwas ganz profanem: An der Steuerung. Wenn man Zombies der Länge nach in Stücke teilt, sie erst mit puschligen Pompons betäubt, dann über sie springt, um ihnen die Motorsäge in den Rücken zu rammen, dann will man das spüren - und das fehlt hier.

Die Steuerung ist zwar nicht ungenau, doch sie kommt einem zufällig vor: Einfach lange genug auf die richtigen Knöpfe gedrückt, und irgendwann liegen alle Gegner am Boden. Viel Geschick ist dazu nicht nötig, eher Ausdauer, denn es braucht viel Zeit, bis ein Zombie endlich am Boden liegt.

Da wäre mehr drin gelegen

Daran ändern auch die Combo-Attacken nichts, die man sich im Lauf des Spiels verdienen kann - zu selten lässt sich ein Zombie mit einem einzigen, befriedigenden Schwung der Motorsäge fällen. Kaum je gelingt es einem, gleich mehrere Zombies auf's Mal zu köpfen.

Lollipop Chainsaw bleibt darum ein Spiel, dass sich auf Papier fantastisch liest, auf das man sehnlichst wartet und das einen dann mit leichter Enttäuschung zurücklässt. Da wäre mehr drin gelegen, hätten Suda51 und sein Studio Grasshopper Manufacture nicht nur eine herrlich durchgeknallte Spielwelt entwickelt, sondern sich ebenso viele Gedanken über die Spielmechanik gemacht.

 

Autor/in: Jürg Tschirren