Quantum Conundrum: Fluffiger Nerdhumor

Heil durch die Hallen eines Gutshauses zu kommen, indem wir die Gesetze der Physik manipulieren - das ist «Quantum Conundrum». So verwandeln wir Panzerschränke in weisse Filzwürfel, um sie zu werfen, oder verlangsamen die Zeit, um Lasern auszuweichen.

Die schwere Kiste macht den Weg frei.
Bildlegende: Die schwere Kiste macht den Weg frei.

Die Designerin Kim Swift versucht damit ihren Erfolg mit «Portal» zu wiederholen.

Das ist deshalb das gefürchtete zweite Album: Unmöglich, das gefeierte Debut zu übertreffen; und schwierig, sich davon zu emanzipieren.

«Quantum Conundrum» sieht aus wie ein Cartoon auf Nickelodeon. Unsere Hauptfigur ist der Neffe eines wirrwilden Wissenschafters namens Fitz Quadwrangle. Onkel Fitz hat sich mit einem Experiment verschätzt und damit auf seinem Gutshaus allerhand Chaos angerichtet. Zur Sicherheit hat er sich in eine andere Dimension geflüchtet; über eine interdimensionale Gegensprechanlage lotst er uns nun von Raum zu Raum, um ihn da wieder rauszuholen.

Fluffy!

Praktischerweise haben wir ein IDS zur Verfügung, ein «Interdimensional Shift Device». Dieses IDS erlaubt uns, die Gesetze der Physik auszuhebeln, bzw. den aktuellen Raum in eine andere Dimension mit anderen Gesetzen zu verschieben.

Der Wechsel in die «Fluffy Dimension» macht Objekte leichter - wir können also schwere Gegenstände aufheben und herumwerfen. Das Gegenteil davon ist die «Heavy Dimension», wo eine Kartonkiste zu einem unzerstörbaren, unbeweglichen Metallklotz wird. In der «Slow Dimension» verlangsamen wir die Zeit und können so herumfliegende Tische als Sprungplattformen benutzen oder uns selber Gegenstände zuwerfen. In der «Reverse Gravity Dimension» schliesslich drehen wir die Gravitation um und stellen so die Welt auf den Kopf.

Räumliche Puzzles

So lösen wir räumliche Puzzles aus der First-Person-Perspektive. Zum Beispiel tragen wir in der «Fluffy Dimension» einen Panzerschrank zu einer Plattform, die, in der normalen Dimension zurück, dann durch das Gewicht des Schranks nach unten gedrückt wird und eine Türe öffnet. Oder wir blockieren einen Laser, indem wir eine Kartonkiste darauf werfen und genau rechtzeitig in die «Heavy Dimension» wechseln, damit der Laser die Kartonkiste nicht einfach zerfetzt, sondern - im Gegenteil - daran abprallt.

«Quantum Conundrum» glänzt mit grossartigem Level- und Rätsel-Design. Nicht jede Lösung liegt sofort auf dem Präsentierteller bereit. An einigen Stellen wird man hängenbleiben und erst später wieder zurückkehren, nach einem Geistesblitz auf dem Klo oder im Bett. Hat man eine Lösung mal gefunden, erscheint sie aber offensichtlich Und genau so sollen Rätsel sein.

Das gefürchtete zweite Album

Augenfällig sind die Parallelen zu «Portal». Die Grundmechanik ist die gleiche: Räumliche Puzzles lösen, lebendig durch einen Raum gelangen. Wie in «Portal» verändern wir physikalische Grundgesetze; statt per Portal im Raum zu springen, sind es hier Gravitation und Zeit. Wie in «Portal» bewegen wir uns durch eine lineare Abfolge von Räumen, dort sind es «Test Chambers», hier Räume in der «Quadwrangle Manor». Wie in «Portal» begleitet uns eine Stimme aus dem Off, erzählt uns Geschichten, witzelt über unsere Leistung, hilft uns. Dort ist das die erbarmungslose, zynische künstliche Intelligenz «GLaDOS», hier unser Onkel Fitz.

Kim Swift hat für ihr zweites Album also den Weg gewählt, die Formel des ersten praktisch unverändert zu übernehmen. Die Grundmechanik ist zwar erweitert und dadurch etwas komplexer und die Stimmung ist leichtfüssiger, kindlicher geworden. Doch die Parallelen sind so offensichtlich, dass sich ein Vergleich mit dem herausragenden Debut aufdrängt, und diesem kann «Quantum Conundrum» nicht standhalten.

Doch wem es gelingt, «Portal» zu verdrängen, dem wird «Quantum Conundrum» gefallen. Denn die fröhliche, verspielte Grundhaltung hat das Herz am richtigen Fleck; der Nerdhumor ist charmant, Grundmechanik und Rätseldesign sind toll. Und fluffige Panzerschränke herumzuwerfen liess mich auch nach Stunden noch schmunzeln.

Warum die Handlung nicht an die von Portal heranreicht, lest ihr im Blog: «Quantum Conundrum: Fluffiger Nerdhumor».

Mit Henry hoch acht
und Knuddel-Ike flutschen wir
ins fluffige Weiss.

Zur ausführlichen Kritik

Autor/in: Guido Berger