Rage: Ein Schiess-Spiel in atemberaubender Kulisse

«Rage» ist ein Schiess-Spiel in einer Welt, die nach einem Meteoriten-Einschlag zerstört ist und in der sich langsam wieder etwas Leben zu regen beginnt. Dazu gibt es eine Prise «Mad Max»-ähnliches Autofahren und Figuren, die ans Herz wachsen. Und atemberaubende Aussichten.

Frisch aus der Arche gekrochen hat man noch Hoffnung.
Bildlegende: Frisch aus der Arche gekrochen hat man noch Hoffnung.

Dass «Rage» umwerfend so aussieht, ist eine Folge der Technik, die das Spiel einsetzt: Die «MegaTexture»-Technik erlaubt es den Entwicklern, sehr viel grössere Texturen zu verwenden als andere Spiele und damit gerade in Landschaften, Fels, Staub und Skylines mehr Details zu packen. Dazu kommt toll eingesetztes Licht. Die Welt wirkt deshalb sehr organisch, nicht «computerig», wohl weil wir unbewusst wahrnehmen, dass sich hier im Gegensatz zu anderen Spielen kaum etwas wiederholt. Die Aussichten sind wie gemalt, als hätte sich Caspar David Friedrich in die Post-Apokalypse verirrt.

Tolle Figuren

In den wunderschönen Kulissen stehen Figuren wie die Barmaid Sally mit ihren von Sommersprossen übersäten Armen. Der Schnapsbrenner Dietrich, mit Pickelhaube und Ritterkreuz. Redstone, der Scheff der Subway Town, mit Glatzen-Tattoo und Fellschultern. Die Charaktere, die in den sicheren Siedlungen herumstehen (und uns Jobs vergeben oder mit uns handeln) sind mir wirklich ans Herz gewachsen. Selten hinterlassen Nebenfiguren, die weder Gameplay noch Story wesentlich beeinflussen, dennoch einen so bleibenden Eindruck. Deshalb ist die Welt nach der Apokalypse nicht eine beliebig austauschbare.

Alte Geschichte, neuer Dreh

Klar, die Prämisse (Welt wird von Meteorit zerstört; ausgewählte Menschen verstecken sich rechtzeitig in unterirdischen Bunkern; nach einer Weile kriechen sie wieder hervor und beginnen mit dem Neuaufbau) ist nicht originell, wir haben sie schon x-mal gesehen oder gespielt. Doch «Rage» hat sich immerhin einen Dreh einfallen lassen, der für mich neu war. Ein General beschliesst nämlich, nicht darauf zu warten, bis alle in der «Ark» in den Tiefschlaf versetzten Wiederaufbauer gleichzeitig erwachen - sondern kommt mit seinen Gefolgsleuten einfach früher heraus! Und unterjocht dank der Vorräte, gebunkerten Waffen und technologischen Überlegenheit die wenigen Überlebenden sofort, während die guten Jungs nach wie vor in ihren Arks schlummern. Diese «Authority» ist zu Recht unser Feindbild.

Gut portioniert

Praktisch alles in «Rage» ist gut portioniert. Die Länge und Dramaturgie der einzelnen Spielabschnitte ist perfekt: Eher kurz, immer so, dass man nach einem Level denkt: «Huch! Das war es schon! Ich will mehr!» Und eben nie: «Puh, wie lange geht das noch!». Mir fällt beim besten Willen nichts ein, was man an «Rage» herummäkeln könnte. Ein grundsolider, ausgefeilter Shooter in einer Welt, die nicht nur sehr schön anzusehen ist, sondern auch mit tollen Figuren die Fantasie anregt. Grossartig.

Wie grosszügig «Rage» ist und warum der Shooter mechanisch zwar konservativ, aber trotzdem gut ist, lest ihr im Blog: «Mit Rage kehrt id spektakulär zurück». Und wenn ihr im Gegensatz zu mir etwas zu mäkeln habt, könnt ihr dort einen Kommentar hinterlassen.

Held ohne Namen
poppt Mutanten und Söldner
im Terrormobil.

Zur ausführlichen Kritik

Autor/in: Guido Berger