Spelunky: Sterben in der Höhle

«Spelunky» ist ein toller Name. Ich mag dieses Wort. Ich möchte es ganz oft sagen. Spelunky. Spelunky! SPELUNKY!

Achtung! Da sitzt eine Fledermaus auf der Lauer!
Bildlegende: Achtung! Da sitzt eine Fledermaus auf der Lauer!

«Spelunky» ist ein Spiel, aber nicht für euch. Es ist für die coolen Indie-Kids, die auf Retrografik stehen, die so tun, als würden sie sich an all die seltsamen Games von früher auf dem ZX Spektrum erinnern, die alles zu einfach finden. Es hat Dudelmusik, Blockgrafik und es ist erbarmungslos. Das ist kein Spiel, das dich unterhalten will. Sondern bestrafen dafür, dass du es noch nicht richtig gelernt hast.

Das Proto-Game

Wir erkunden Höhlen. Und sie sind immer anders, zufällig generiert werden sie. Es hat Schlangen und Spinnen und Ratten und Skelette und Piranhas und Pfeilfallen drin. Und natürlich Schätze. Goldbarren. Edelsteine. Schatztruhen. Das ist ein Proto-Game, auf das wesentlichste reduziert: Entdecken. Plündern. Sterben. Von vorn beginnen.

Jawohl, richtig gelesen - «Game Over» heisst hier: Von vorn beginnen. Von ganz vorn, Level 1-1! Alle gesammelten Gegenstände und Gold sind weg. Und die Höhlen sind beim nächsten Versuch völlig neue. Keine Checkpoints, kein Gesundheitsbalken, der sich wieder auflädt. Eine Handvoll Fehler und du beginnst von vorn, Bürschchen.

Das letzte Hemd hat keine Taschen

Tja, dann fange ich halt nochmals von vorn an. Macht ja nichts, gibt ja eine neue Höhle zu entdecken, und auch in der gibt es Schätze. Ich wurde nachlässig, ich lief dumm in Fallen, ich sammelte kopflos Goldbarren und Edelsteine ein, statt mich um diese nervige Fledermaus zu kümmern. Ich ging ständig unnötige Risiken ein.
Doch dann begriff ich: All das eingesammelte Geld nützt mir nichts, wenn ich sterbe, denn es verschwindet mit mir. Das letzte Hemd hat keine Taschen. Vielleicht doch mal mit etwas Vorsicht probieren?

«Spelunky» hält mir all diese Schätze vor die Nase, aber ich darf sie nicht einsammeln, sondern muss ihrer Versuchung widerstehen. «Spelunky» ist deshalb ein Spiel über Risk Management. Renne nicht jedem Glitzerding nach wie ein Investmentbanker. Verwalte deine Ressourcen sicher, gehe nur minimale Risiken ein. Nur so schaffst du es aus den Minen heraus, in den Dschungel, die Eishöhlen oder den Tempel.

Nicht auswendig lernen

Trotzdem scheitern wir, immer und immer wieder. Im Gegensatz zu vielen anderen Spielen geht es hier aber genau nicht darum, die Levels auswendig zu lernen. Können wir ja nicht, denn die sind jedes Mal neu. Nicht einprägen, sondern improvisieren.

Befriedigung durch Leistung

Die Belohnung dafür ist nicht ein Schatz. Sondern die tiefe Befriedigung, etwas allen Widrigkeiten zum Trotz geschafft zu haben. Eine präzise, sichere Leistung hingelegt, im richtigen Moment die richtigen Werkzeuge eingesetzt zu haben. Klar, auch ein bisschen Glück braucht es, aber das ist dann das sog. erzwungene Glück, das Fussballtrainer so gern bemühen.

Als ich zum ersten Mal heil durch die Minen durchkam, und die fleischfressenden Pflanzen, lauschigen Bäume und romantischen Piranha-Teiche des Dschungels erblickte, war ich deshalb sehr, sehr froh.

Ein, zwei Sekunden lang. Und dann sprang ein dicker Frosch auf mich. Platsch, vorbei, zurück in die Minen.

Mehr zur Herkunft von «Spelunky» und warum aus einem Burgfräulein auch mal ein Mops wird, lest ihr im Blog: «Spelunky: Sterben in der Höhle».

Stirb in der Höhle!
Vom Glitzern verführt, zerschellt.
Nur Vorsicht gewinnt.

Zur ausführlichen Kritik

Autor/in: Guido Berger