Street Fighter X Tekken: Alles auf 12

«Street Fighter X Tekken» ist wie eine Zeitmaschine. Es nimmt uns mit in die glorreiche Vergangenheit der Spielhalle. Es katapultiert uns von da sogleich in eine glitzernde, blinkende Zukunft. Und versucht sich dazu noch in Ökumene.

Auch mit Wampe kann man kämpfen.
Bildlegende: Auch mit Wampe kann man kämpfen.

Dieses Spiel ist ein historischer Moment für Prügelspiel-Afficionados. Die Rivalität zwischen Street Fighter (1987) und Tekken (1994) ist auch die Rivalität zwischen den Herstellern Capcom und Namco. Beide Spiele sind Erfolgsgeschichten: Die erste Ausgabe von Street Fighter allein machte in der Spielhalle und auf den Konsolen rund eine Milliarde Dollar Umsatz; Tekken ist eng verbunden mit dem Erfolg der Playstation.

Doch obwohl beide Spiele natürlich im Grunde gleich funktionieren (zwei Kämpfer prügeln und treten auf sich ein, bis einer K.O. geht), sind sie sehr unterschiedlich zu spielen. Street Fighter setzte den Standard für das Genre: Sechs Knöpfe werden je drei Schlägen oder Tritten zugeordnet, jeweils eine leichte, eine mittlere und eine schwere Variante. Für Spezial-Angriffe kommen Kombinationen und Bewegungen mit dem Stick dazu, meist eher rund (Viertel- oder Halbkreis-Bewegungen).

Tekken dagegen reformierte diese klassische Kontrollmethode. Vier Knöpfe sind nun direkt den vier Gliedmassen zugeordnet, dem rechten, linken Arm und dem rechten, linken Bein. Schlagkombinationen sind oft eher eine Kombination dieser vier Knöpfe; und wenn der Stick dazu kommt, ist die Bewegung eher zackig statt rund.

Wenn also Street Fighter katholisch ist, dann war Tekken die Reformation. Und ob sich diese beiden unabhängig entwickelten Spiele nun plötzlich vereinen könnten, ist fraglich. Glücklicherweise hat man es gar nicht erst versucht. Denn «Street Fighter X Tekken» ist ganz klar ein Street-Fighter-Spiel, einfach mit Tekken-Figuren drin.

Capcom hat sich aber sehr bemüht, die Figuren nicht nur einfach als Kostüm zu importieren. Auch die Animationen und vor allem die Steuerung wurden so vorlagengetreu wie möglich in die Sprache von Street Fighter übersetzt.

Die enorme Vielfalt an Figuren ist das tollste an «Street Fighter X Tekken». Der Line-Art-Stil aus Street Fighter IV steht auch den Tekken-Figuren gut. Und alles ist so sehr überzeichnet, wie man überzeichnen kann. Oberschenkel und -ärme breiter als meine Hüfte, Pectoralis grösser als mein Kopf - das ist hohe Comic-Kunst.

Zusammen mit knalligen, blinkenden Hintergründen und tollen, krachenden Sound-Effekten wird der Ursprung in der Spielhalle sichtbar. Denn wie sich damals schon die Automaten gegenseitig mit Lärm und Leuchten zu überbieten versuchten, so ist hier alles auf Rechtsanschlag gedreht. Und dank moderner Technologie knallt es lauter als je zuvor.

«Street Fighter X Tekken» ist so theatralisch, so überdreht, die Figuren spielen so überschwänglich ausgelassen mit ihren Klischees, dass mir das Spiel nur schon wegen dieses Spektakels unheimlich Freude macht.

Warum die neuen Edelsteine eine echte taktische Innovation sind und nicht etwa billige Cheats, lest ihr im Blog: «Street Fighter X Tekken: Alles auf 12».

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Zur ausführlichen Kritik

Autor/in: Guido Berger