The Walking Dead: Mjam, mjam, Menschenfleisch!

Immer diese Zombies! Seit George A. Romeros Klassiker «The Night of the Living Dead» (1968) wollen sie nicht in ihre Gräber zurück kehren. Ob Kino, Comic, Fernsehen oder Game: Die lebenden Toten sind lebendiger denn je. Jüngstes Beispiel: «The Walking Dead: Starved for Help».

Herzlich Willkommen in der Zombie-Post-Apokalypse
Bildlegende: Herzlich Willkommen in der Zombie-Post-Apokalypse

Stell dir vor, dein Haus brennt: Du hast nur Sekunden zu entscheiden, wen oder was du retten willst: Deine/n Partner/in oder doch lieber die Wertschriften und Schützenabzeichen? Den Hund oder die Katze? Das Fotoalbum oder die DVD-Sammlung? «The Walking Dead» ist eine Art brennendes Haus: Ein Game, das dich ständig zu Entscheidungen zwingt, das dich von einem moralischen Dilemma ins nächste stürzt.

Entscheide wie die, welches Leben einem wichtiger ist als ein anderes, können keine angenehme Aufgabe sein. Aber kaum etwas bringt einem eine Spielfigur näher als sich für ihr Leben einzusetzen, sie vor Leid und Qual zu beschützen.

Zombies mit ungelenken Bewegungen

Wir spielen Lee, der auf dem Rücksitz eines Polizeiautos mit Ziel Gefängnis sitzt, als plötzlich ein Zombie auf der Fahrbahn steht. Crash! Lee wacht benommen davon auf - und da sind plötzlich Zombies - überall - mit ihren ungelenken Bewegungen, zerschlissenen Kleidern und dem Hunger nach Menschenfleisch.

Lee entkommt mit Mühe und Not, schliesst sich anderen Überlebenden an und wird zum Beschützer eines kleinen Mädchens - Catherine, die ausser Lee niemanden mehr hat auf der Welt.

Amerika nach der Zombie-Apokalypse

«The Walking Dead» war zuerst ein Comic von Robert Kirkman. Daraus wurde später die Fernsehserie gleichen Namens, deren zwei erste Staffeln vom US-Sender AMC mit viel Erfolg bei Publikum und Kritikern ausgestrahlt wurden. Nach der TV-Serie folgte das Spiel aus dem Hause Telltale Games (die sich zuvor mit der Spieladaption von «Jurassic Park» einen schlechten Namen gemacht hatten); ausgelegt auf fünf Episoden, von denen soeben die zweite erschienen ist: «Starved for Help».

Im Game sehen wir andere Figuren als in Comic und TV-Serie. Aber Lee und seine Verbündeten bewohnen die selbe Welt: Ein Amerika nach der Zombie-Apokalypse, ein Land, in dem die Überlebenden oft die schlimmeren Monster sind als die Untoten.

Eine Entscheidung ist so schlimm wie die andere

Grafisch ist das toll umgesetzt: Mit Bildern, die an Kirkmans Comic erinnern. Spielen tut es sich als simples Point&Click-Adventure: Auf einen Gegenstand klicken, ihn anschauen und überlegen, was damit zu tun ist. Bei Playstation und Xbox funktioniert das gut, spielt man am PC oder auf dem iPhone bzw. iPad, lässt die Steuerung an manchen Stellen zu wünschen übrig.

Allerdings: Viel herumklicken und Rätsel lösen muss man bei «The Walking Dead» sowieso nicht - im zweiten Teil noch weniger als im ersten. Dafür eben Entscheidungen treffen: Innert Sekunden zwischen verschiedenen Antwortmöglichkeiten auswählen, wobei eine Entscheidung häufig eben so schlimm ist wie die nächste.

Handeln hat Konsequenzen

Jede Wahl, die der Spieler trifft, soll sich im weiteren Spielverlauf niederschlagen und die Handlung bestimmen. In den ersten beiden Episoden ist von diesem Versprechen noch nicht allzu viel zu merken. Kann gut sein, dass sich das in den kommenden drei Episoden noch ändern wird.

Auch wenn sich der eigentliche Spielverlauf kaum ändert legen die einzelne Antworten und Entscheide doch fest, wie sich die Figuren um Lee herum zu ihm verhalten - ob hilfsbereit oder feindseelig. Ein wenig wie im richtigen Leben also: Den Lauf der Welt können wir mit unserem Handeln allein kaum verändern - dafür aber, wie die Menschen in dieser Welt mit uns umgehen.

Autor/in: Jürg Tschirren