Uncharted 3: Action, Rätsel, flotte Sprüche

Kaum ein Spiel, auf das Playstation-3-Besitzern so sehnsüchtig warten wie «Uncharted 3: Drake's Deception». Das Action Adventure führt von französischen Villen über syrische Festungsanlagen in die arabische Wüste, wo unser Held Nathan Drake nach der verschwundenen Stadt Iram sucht.

Action, Flugzeuge, Wüstensand: Nathan Drake ist wieder auf Schatzsuche
Bildlegende: Action, Flugzeuge, Wüstensand: Nathan Drake ist wieder auf Schatzsuche

Für den Spieler eine so spannende Aufgabe, dass der Controller kaum mehr aus der Hand gelegt wird.

Du irrst durch die arabische Wüste. Die Sonne brennt heiss, halb verdurstet nimmst du die nächste Sanddüne in Angriff. Deine Schuhe sinken tief, doch kaum hast du den nächsten Schritt getan, füllt der Wind deine Fussstapfen mit neuem Sand. Oben auf der Düne hältst du Ausschau nach der sagenumwobenen Säulenstadt Iram, dem Atlantis der Wüste.

Klingt bekannt? Klar, der Plot des Action-Abenteuers «Uncharted 3: Drake's Deception» wird höchstens den überraschen, der nie von «Tomb Raider» gehört hat und Indiana Jones für eine Motorrad-Marke hält. Macht aber nichts, im Gegenteil: Geschichten um geheimnisvolle Artefakte und verschwundene Schätze (bei «Uncharted 3» geht es um einen Schatz des englischen Abenteurers Sir Francis Drake) verlieren in unserer vollends entzauberten Welt so schnell nicht ihren Reiz. Und wie das Entwicklerstudio Naughty Dog hier altbekannte Versatzstücke aneinanderreiht zu einer fesselnden Geschichte ist schlichtweg beeindruckend.

Flotte Sprüche auf den Lippen, Revolver im HolsterNach dem Erfolg der ersten beiden «Uncharted»-Titel (fast 8 Millionen verkaufte Exemplare und viel Kritikerlob) wurde der dritten Teil sehnlichst erwartet. «Uncharted 3: Drake's Deception» erfüllt die hohen Erwartungen, auch wenn sich mit viel Suchen das eine oder andere Haar in der Suppe finden lässt. Was das Spielprinzip angeht, hat sich wenig verändert: Wir schlüpfen immer noch in die Rolle von Nathan Drake, einem sympathischen Haudegen mit flottem Spruch auf den Lippen und Revolver im Holster.

Drake rennt, schwimmt und klettert seinem Ziel entgegen, balanciert auf schmalen Felsvorsprüngen oder schleicht sich an seine Feinde heran. Nicht immer lässt sich ein Gegner lautlos ausschalten, also können wir auch zu Waffen greifen oder uns prügeln - wenn es sein muss auch mit mehreren Bösewichten gleichzeitig.

Perfekte Balance zwischen Action und RätselnSolche Action-Sequenzen wechseln sich mit Aufgaben ab, in denen Drake Rätsel lösen muss oder mit seltenen Momenten, in denen fast gar nichts passiert - etwa die oben beschriebene Wüsten-Szene. Die Balance zwischen Action und Ruhe bzw. Puzzle-Aufgaben ist perfekt austariert. Kaum wird uns das Schiessen zu viel, wartet schon ein nächstes Rätsel. So fällt es schwer, den Controller jemals aus der Hand zu legen. Justin Richmond, Game Designer von «Uncharted 3» bestätigt das im Interview (siehe Kasten rechts) gerne: «Wir haben das das Tempo so gewählt, dass du kaum aufhören kannst zu spielen, weil du immer wissen willst, was als nächstes passiert».

Damit wäre auch angesprochen, was die «Uncharted»-Serie von anderen Verkaufsschlagern wie «Grand Theft Auto» oder «Red Dead Redemption» unterscheidet: Nathan Drake bewegt sich nicht in einer offenen Welt, sondern durchlebt ein Abenteuer, dessen Ablauf und Ausgang von den Entwicklern weitgehend vorgezeichnet ist. Um den Protagonisten zu lenken, bedient sich das Spiel gern cineastischer Mittel: Ein Kameraschwenk im richtigen Moment und auf den richtigen Punkt zeigt uns, wo die Handlung weitergeht bzw. wo das Spiel will, dass sie weitergeht.

Klingt nach Bevormundung, aber «Uncharted 3» macht vergessen, dass wir uns nicht wirklich frei bewegen. Denn wenn uns das Spiel in eine Richtung lenkt ist das fast immer auch die Richtung, in die wir uns selbst bewegen wollten. Kommt dazu, dass uns das spektakuläre Setting vieler Szenen auch einfach vergessen lässt, dass unsere Figur wie von unsichtbarer Hand gelenkt wird. Zum Beispiel wenn wir in einem untergehenden Schiff kämpfen oder in einem abstürzenden Frachtflugzeug. Dabei wird die Umgebung Teil der Action - etwa die aus dem Flugzeug fallenden Frachtkisten: Wir müssen auf sie reagieren, was das Spielerlebnis noch intensiver macht.

Vom Kino inspiriert, auf dem Weg ins KinoEinen Haken aber hat der Vorsatz, den Spieler ein kinoreifes Abenteuer erleben zu lassen: Solange uns beim Spielen keine Fehler passieren, sind wir mitten drin in der Handlung und gespannt, was als nächstes mit uns passiert. Sobald wir aber an einer Stelle scheitern und zum letzten Checkpoint zurückgeschickt werden, wiederholt sich die Handlung und macht die Illusion zunichte, dass wir hier einen Film spielen. So gibt es gleich am Anfang des Spiels einen Moment, in dem der junge Nathan Drake seinen Häschern entkommen muss. Weil das nicht eben einfach ist, muss die Stelle mehrfach gespielt werden - was zu einer Schleife sich ständiger wiederholender Szenen führt: Ausruf der Bösewichte «Get the Boy!», Fluchtversuch, Gefangennahme, Neustart. Richtiges Kino geht anders.

Apropos richtiges Kino: Neben einer Roman-Adaption und einer Comic-Serie soll «Uncharted» bald auch den Weg auf die grosse Leinwand finden. « Uncharted: Drake's Fortune» ist für 2013 angekündigt. Und dass auch die Nähe zur Indiana-Jones-Serie kaum ein Zufall ist zeigt ein japanischer Werbespot für «Uncharted 3» (unten), in dem Harrison «Indy» Ford recht ungelenk mit dem Controller hantiert.

Autor/in: Jürg Tschirren