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Schweiz Nach Violiers Freitod: Das sagt der Schweizer «Gault Millau»-Chef

Er hat sich in die Liga der besten Köche der Welt hochgearbeitet. Dann die traurige Nachricht: Benoît Violier hat sich das Leben genommen. Die Schweizer Gastro-Szene ist schockiert. Im Interview mit «G&G» spricht der «Gault Millau Schweiz»-Chefredaktor Urs Heller über den grossen Verlust.

Legende: Video Urs Heller über den Selbstmord von Benoît Violier abspielen. Laufzeit 01:36 Minuten.
Aus Glanz & Gloria-Clip vom 01.02.2016.
Benoit Violier (links), seine Frau Brigitte und Urs Heller.
Legende: Benoit Violier (links), seine Frau Brigitte und Urs Heller. Keystone

Bestürzung unter Spitzenköchen und Feinschmeckern aus aller Welt: Der vielfach ausgezeichnete Sternekoch Benoît Violier ist im Alter von 44 Jahren gestorben. Urs Heller, Chefredaktor von «Gault Millau Schweiz», ist schockiert: «Ich habe eigentlich immer den Eindruck gehabt, dass er ein glücklicher Mensch gewesen ist. Sehr erfolgreich im Beruf, sehr erfolgreich in seinem Familienleben, sehr gut in der Zusammenarbeit mit seinem Team und unglaublich erfolgreich als Koch.» Er hätte das Gefühl gehabt, dass «er ein sehr ausgeglichenes Leben geführt hat. Ich bin völlig erschüttert.»

Warum sich der 44-Jährige das Leben genommen hat, ist auch für den Gourmetkritiker ein Rätsel. «Ich wäre nicht überrascht, wenn er den Grund mit ins Grab genommen hätte.»

Druck bei der Arbeit: Für Heller nicht der Freitod-Grund

Urs Heller schliesst aber definitiv aus, dass der Selbstmord mit seinem stressigen Beruf als Spitzenkoch zu tun hat. «Er hat das Business gekannt, gewollt und jahrelang sehr souverän bewältigt. Deswegen habe ich immer den Eindruck gehabt, dass er sehr gut mit diesem Druck umgegangen ist.»

Legende: Video Urs Heller über die Zukunft von Violiers Restaurant abspielen. Laufzeit 00:56 Minuten.
Aus Glanz & Gloria-Clip vom 01.02.2016.

Erst vor einigen Wochen war Violiers Restaurant «L'Hôtel de Ville» in Crissier unweit des Genfer Sees als «Bestes Restaurant der Welt» ausgezeichnet worden. Laut Medieninformationen wäre Violier am Montag in Paris bei der Präsentation des aktuellen «Guide Michelin» erwartet worden. Dort wurde eine Schweigeminute zu Ehren Violiers abgehalten.

Violier hinterlässt Frau und Sohn

Der gebürtige Franzose wurde am späten Sonntagnachmittag tot in seiner Wohnung bei Lausanne gefunden. Alles deute auf einen Suizid hin, teilte die Waadtländer Kantonspolizei mit. Violier hinterlässt eine Frau und einen Sohn. Gemeinsam mit seiner Frau Brigitte hatte er 2012 die Leitung des Restaurants «L'Hôtel de Ville» übernommen. Sein Vorgänger und Mentor Philippe Rochat war im vergangenen Sommer unerwartet mit 61 Jahren bei einer Fahrradtour gestorben.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Joseph Hauri, 4614 Hägendorf
    Das ist genau der Punkt. Ich finde es ist auch absurd, dass jeder der mal ein paar hundert Franken für einen Besuch in so einem Super-Restaurant hinblättert gleich auch noch das Gefühl hat er sei jetzt der grosse Gourmet und Kenner. Und noch kommentieren muss. Ich bin auch absolut nicht überzeugt ob die zwei bekannten Ess-Bibeln überhaupt noch Sinn machen. Für solche Häuser gibt es sicher andere Marketing möglichkeiten. Ohne die dämlichen Punkte und Sterne.
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  • Kommentar von Maria deflorin, 4052 basel
    Es ist ein grosser verlust für die Hotellerie, ein grosser Meister seines Faches Ist gegangen.ich bin selber Köchin, aber was dieser Koch könnte ist einfach nur bewundernswert. Die Gastronomie hat einen wunderbaren Menschen verloren. Maria Deflorin.
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  • Kommentar von Daniel Koenig, Irland
    Der Druck durch die sozialen Medien ist gross im High End Gastgewerbe. Jeder Gast ein Kritiker der sein Mahl durch das Smartphone geniesst: Wird gleich hochgeladen, kommentiert und kritisiert. Dazu muss sich der Gastronom die Frechheiten von Tripadvisor usw. gefallen lassen. Das einzige das heute zaehlt sind Reviews, ob wahr oder nicht spielt keine Rolle. Der Kuechenchef muss diplomatisch die Egos der Kritiker polieren und Schaden begrenzen. Da braucht es eine dicke Haut.
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    1. Antwort von Charly Ball, Zürich
      Dieser Druck gilt auch für die normalen Restaurants, Hotels, Läden und dank Kununu sogar für Arbeitgeber, etc. und ist kein Phänomen der Highend Gastronomie. Ich kenne immer weniger Personen, die in ihrem Job nicht Druck aushalten müssen. Kein Wunder steigen die Krankheiten - insbesondere wegen psychischer Probleme - immer weiter an. Der Freitod scheint dann für einige leider der letzte traurige Ausweg zu sein.
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