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Prisca Hofer Professionelles Styling für den Bildschirm

Lippenstift, Puder und Haarfön gehören zu ihren wichtigsten Utensilien im Berufsalltag: Als TV-Maskenbildnerin schminkt und frisiert Prisca Hofer Moderatorinnen und Sendungsgäste. Worauf es dabei ankommt und was ihren Job ausmacht, erzählt sie in ihrer Backstage-Geschichte bei «Hallo SRF!».

Legende: Prisca Hofer gibt in ihrer Backstage-Kolumne Einblicke in ihren vielfältigen Arbeitsalltag. SRF / Oscar Alessio

Ob «Tagesschau»-Moderatorin, Gebärdensprachdolmetscherin, Moderator vom «sportpanorama», Expertin im «Kassensturz» oder Promi mit Auftritt bei «Happy Day»: Sie alle wollen und sollen gut aussehen, wenn sie auf Sendung sind. Und deshalb kommen sie zuvor zu uns in die Maske. Wir schminken und frisieren sie – und verhelfen ihnen so zu einem attraktiven Look auf dem Bildschirm. Neben dem professionellen Pinselstrich ist aber auch die Betreuung vor der Sendung für manche und manchen wichtig. Unser Ziel ist also, dass sich alle abgeholt fühlen, bevor das Kameralicht angeht.

Es variiert stark, wie viele Gäste, Protagonistinnen und Moderatoren ich täglich bei uns in der Zentralmaske style. Ein Gast im «Club» ist in der Regel in 15 Minuten fertig, für eine Moderatorin der «Tagesschau» kann es bis zu einer Stunde dauern. Vor jedem Schminktermin breite ich individuell auf die Person abgestimmte Utensilien an meinem Arbeitsplatz aus: Make-up-Foundation diverser Textur, Paletten mit Lidschatten und Lippenfarben, Wimperntusche und Rouge. Ausserdem brauche ich Pinsel unterschiedlicher Grösse und Dichte, um filigrane Striche bis breitflächige Effekte zu erzielen.

Vieles hole ich aus meinem professionell ausgerüsteten Schminkkoffer. Für unsere Moderationspersonen greife ich zusätzlich auf persönliche Produkte zurück. Damit wir diese immer griffbereit haben, sammeln wir sie in persönlichen Schminkschubladen (für Frauen) und Make-up-Sets (für Männer).

 Vorgaben im Lookbook

Beim Stylen von Moderatorinnen und Moderatoren halte ich mich an unser elektronisches Lookbook, das auf dem Tablet in der Zentralmaske abrufbar ist. Es dient mir wie ein Rezeptbuch, gibt mir wie allen anderen im Masken-Team Orientierung. So gewährleistet das Lookbook auch ein konstantes Erscheinungsbild der jeweils zu schminkenden Person. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung führt mich durch den Arbeitsablauf – und dennoch trägt jede meiner Arbeiten auch meine persönliche Handschrift. Anpassungen beim Look der Moderationsperson lassen sich übrigens über das Lookbook auch einfach und verständlich für alle im Team aktualisieren.

Auf den Menschen eingehen

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Ob ich zuerst schminke oder vorab frisiere, passe ich den Gegebenheiten an. Der Besuch in der Maske dient den Moderatorinnen und Moderatoren auch als Oase, als Ort des Rückzugs, wo sie vor einer Sendung noch einmal in sich gehen können, weg vom Stress im Büro. Und da biete ich gerne meine persönliche Unterstützung. Wegen der Plakativität des TV-Bildschirms, auch wegen des starken Studiolichts ist es meine tägliche Herausforderung, durch meine Arbeit Plastizität und Natürlichkeit zu schaffen. Erst wenn sich die Moderationspersonen wohlfühlen und auch gefallen, haben sie eine charismatische Ausstrahlung.

Einleuchten und Auffrischen im Studio

Mit dem Schminken und Frisieren in der Zentralmaske ist es aber noch nicht getan. Bei den täglichen Formaten wie «10vor10» oder «Gesichter & Geschichten» gehe ich eine Viertelstunde vor Sendebeginn ins Studio, wo die Proben laufen. Auf einem Referenzbildschirm sehe ich, was bei Make-up und Haaren noch zu optimieren ist. Denn oft liegt doch eine beachtliche Zeit zwischen Schminktermin und Sende- oder Aufzeichnungsbeginn. Da lohnt es sich, nochmals Hand anzulegen, um die Moderationsperson optisch ins rechte Licht zu rücken. Das heisst dann meist: abpudern, Lippenstift nachziehen und Haare richten.

Kurz vor Sendebeginn gilt es, das Studio rechtzeitig zu verlassen. Bei unseren grossen Livesendungen allerdings, etwa «Darf ich bitten» oder «Happy Day», bleibe ich die ganze Zeit über im Studio und greife für nötige Korrekturen ein – natürlich nur, wenn es die Situation zulässt, etwa während eines Einspielers oder einer Künstlereinlage.

Unter Hochdruck bei Aussendrehs

Eine ganz spezielle Anspannung herrscht bei Aussenproduktionen, wie zum Beispiel bei der Liveaufzeichnung von «SRF bi de Lüt live» im Mai 2021 in Murten. Alles, was ich dort für meine Arbeit brauche, habe ich im Gepäck. Am Nachmittag bin ich bei der Generalprobe dabei, um die Abläufe und die Lichtverhältnisse kennenzulernen. Die Termine für die Maske sind eng getaktet. Oft stehen kurzfristige Änderungen an – kein Problem für mich, denn Spontanität und Flexibilität, ohne Hektik zu verbreiten, liegen mir sehr. Während der Sendung habe ich dann die Moderatorinnen und Gäste stets im Auge und nutze jede Gelegenheit, mit Puder oder Haarspray nochmals nachzulegen. Bei einer Open-air-Sendung kommen ja noch zusätzliche Herausforderungen wie hohe Luftfeuchtigkeit oder Hitze dazu.

Sich spontan auf einen Typ einstellen

Vermehrt schminke ich auch Menschen, die mir völlig unbekannt sind und zu denen es kein Lookbook gibt. Dann ist Fokussieren angesagt, und ich hole hilfreiche Informationen direkt bei der Person ein. Ich frage, was sie mag, ob sie sich selbst eher ausdrucksstark oder dezent schminkt. Mit meiner professionellen Beratung finden wir den optimalen Look. Vor allem bei jenen, die so gut wie nie im Rampenlicht stehen, ist die Wertschätzung jeweils gross, was mich dann besonders freut. Dabei höre ich immer wieder Äusserungen wie: «Ich werde mich nie wieder duschen.»

Was die Coronapandemie verändert hat

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Eine enorme Umstellung kam mit dem Coronavirus im Frühjahr 2020. Um Ansteckungen vorzubeugen, mussten sich damals alle, vom Moderator der «Arena» bis zur Expertin im «Kassensturz», von heute auf morgen selbst schminken. Ich stand also mit Schutzmaske und Schutzbrille neben der Person und gab Anweisungen und Tipps für ein fernsehtaugliches Make-up. Da hat es mich jeweils sehr gereizt, zu übernehmen, es selbst zu machen. Das war eine surreale und wahrlich seltsame Situation.

Vor allem für Männer war das Selbstschminken eine Herausforderung, haben sie doch meist kaum Erfahrung im Schminken. «Jaja, das langt jetzt», hiess es da recht oft und schnell. Folglich habe ich mich – wie übrigens alle im Team – nur auf die nötigsten Schritte beschränkt, um es den Herren so einfach wie möglich zu machen. Ganz nach dem Motto: Weniger ist mehr.

Grosse Erleichterung folgte, als nach sechs Wochen endlich wieder wir Profis zum Pinsel greifen durften – unter strengsten Hygienemassnahmen natürlich.

Alles andere als ein Bürojob

In unserem Team arbeiten Coiffeusen, Visagistinnen und Maskenbildnerinnen. In dieser Konstellation decken wir all die verschiedenen Bedürfnisse der Redaktionen ab. An 365 Tagen stehen wir im Schichtbetrieb von 10 bis 22 Uhr im Einsatz. An Spitzentagen sind bis 17 Mitarbeitende disponiert.

Ich habe also wahrlich keinen 08/15-Bürojob. Vielfältigkeit und Abwechslung prägen meinen Berufsalltag. Ich arbeite mit und an Menschen, dabei steht die Kreativität im Vordergrund. All das liebe ich an meinem Beruf – und es fasziniert mich immer wieder aufs Neue.

«Hallo SRF!» bietet Ihnen noch viel mehr

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Und alles im Überblick gibts hier: srf.ch/hallosrf.

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