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Backstage Kann ich bei «No Billag» überhaupt objektiv sein?

Wenn es um die Finanzierung der SRG geht, gibt es viele Meinungen. Damit sehen sich auch Journalistinnen und Journalisten von SRF konfrontiert. Zum Beispiel «Rundschau»-Moderator Sandro Brotz. Wie er auf eine spezielle Medienanfrage antwortete, ist auf Facebook und Twitter zu lesen. Und hier.

Sandro Brotz moderiert seit 2012 das aktuelle Politmagazin «Rundschau»
Legende: Moderiert seit 2012 das aktuelle Politmagazin «Rundschau»: Sandro Brotz SRF

«Können Sie bei ‹No Billag› überhaupt objektiv sein?», fragte mich diese Woche die Kollegin vom deutschen Medienmagazin ZAPP. Die Frage ist berechtigt. Was sie wohl meinte: Als SRG-Angestellter werde ich nicht die Hand beissen, die mich füttert.

Aber ist es schon Propaganda, wenn ich mich zur Debatte äussere? Warum ich das tue: Weil mir unabhängiger und kritischer Journalismus am Herzen liegen. Ich kenne die Gegenargumente: «Das können private Medien auch bieten – der Markt wird’s schon regeln.»

Ihr Themenvorschlag

Redaktion bei einer Besprechung

In der Rubrik «Backstage» schreiben SRF-Mitarbeitende über Erlebnisse aus ihrem Berufsalltag. Eine Übersicht aller Kolumnen finden Sie hier. Und worüber möchten Sie eine Backstage-Geschichte lesen? Schreiben Sie uns.

Natürlich können private Medien kritisch berichten. Und sie tun’s auch. Aber ich zweifle daran, dass bei einem Ja zum Sendeschluss künftig Unabhängigkeit und Autonomie in der Programmgestaltung gewährleistet sind. Wer macht diesen Job in den vier Landesteilen, wenn der Stecker gezogen wird?

In den vergangenen 30 Berufsjahren habe ich mehrfach erlebt, wie Chefredaktoren bei Druck von aussen (Behörden, Politiker, Inserenten) oder von innen (Verwaltungsrat, Investoren) eingeknickt sind. Oder Verleger auch mal im Tagesgeschäft durchblicken liessen, welche politische Berichterstattung sie wünschen. Alles legitim, solange privat finanziert. Aber nicht im Interesse eines starken und unabhängigen Journalismus.

Für diese Unabhängigkeit stehe ich als gebührenfinanzierter Journalist ein. Aber auch gegen die Mär des «Staatssenders». Würde ein «Staatssender» die Interessenbindungen der Schweizer Universitäten nachweisen? Offenlegen, dass das Raketenprojekt Bodluv viel teurer wird? Aufzeigen, dass es im Justizfall Walker zu Verfahrensfehlern gekommen ist? Die geltende Praxis bei Eritrea-Flüchtlingen hinterfragen?

Deshalb mische ich mich ein. Weil es relevant ist, ob journalistische Unabhängigkeit verloren geht. Subjektiv und objektiv.