Das lange Gespräch übers Töten

Das lange Gespräch übers Töten

Töten ist eine unwiderrufliche Handlung. Sie wird gesellschaftlich geächtet und geahndet. Nur in wenigen Ausnahmefällen ist das Töten erlaubt. Der Akt des Tötens erschreckt und fasziniert zugleich. Obwohl medial tausendfach inszeniert, ist diese Handlung eines der letzten Tabuthemen unserer Zeit.

Ein Mann sitzt mit nacktem Rücken zur Kamera, seine Finger sind rot eingefärbt.
Bildlegende: Tabuthema, Überlebensstrategie und Inszenierung: Wie menschlich ist das Töten? Colourbox

Wer andere Menschen tötet, wird geächtet. Es sei denn, er tötet im Rahmen eines gesellschaftlichen Ausnahmezustands, zum Beispiel als Soldat im Krieg. Terroristische Tötungsakte unterlaufen jegliche Konventionen und machen uns deshalb ratlos. Die Justiz unterscheidet zwischen Totschlag und Mord. Im Alltag unterscheiden wir zwischen dem «harmlosen» Zertreten einer Kakerlake und dem «brutalen» Töten etwa eines Vogels. Morde im Film bescheren uns Nervenkitzel, ein aus der Haft entlassener Mörder aber versetzt die Nachbarschaft in blanke Angst. Und beim Genuss eines Steaks blenden wir den damit verbundenen vorgängigen Tötungsvorgang geflissentlich aus. Erschrecken, Abscheu, Neugier, in vereinzelten Fällen Lust: unsere Gefühle dem Akt des Tötens gegenüber sind zutiefst widersprüchlich.

SRF 2 Kultur macht eines der letzten grossen Tabus unserer Zeit zum Thema. Franziska von Grünigen unterhält sich mit dem Neuropsychologen und Trauma-Forscher Thomas Elbert und wechselnden Gästen. Sechs Stunden lang.

«HörPunkt» im Überblick:

09.00 Uhr: Variationen einer unwiderruflichen Handlung
Ist der Mensch von Natur aus zum Töten bereit? Die Antwort lautet ernüchternd: Ja! Grade deshalb ist das Töten ein Tabu. Thomas Elbert hat viel gesehen, beobachtet und erforscht: zur Motivation von Kindersoldaten, zu Gewaltexzessen, zur menschlichen Natur. Ein Überblick und eine Auslegeordnung.

10.00 Uhr: «Ich habe getötet»
Wie ist es, einen Menschen zu töten? Wie lebt es sich mit dem Gefühl, es getan zu haben? Ein Mann berichtet. Und eine Frau erzählt, wie sie nach mehreren Suizidversuchen nicht nur zu wichtigen Erkenntnissen, sondern auch zu einem neuen Leben fand.

11.00 Uhr: Töten um zu leben
Fleisch ist eine wichtige Proteinquelle und gilt vielen als unverzichtbar. Damit ist eine tägliche Massentötung verbunden, die wir geflissentlich ausblenden. Das macht die Arbeit eines
Metzgers im Schlachthof nicht einfacher. Einblicke in ein Handwerk und die damit verbundene Ethik.

12.00 bis 12.30 Uhr: Kakerlaken jagen
Wer entscheidet, welches Leben geschützt und welches ausgelöscht werden darf? Wenns drauf ankommt, betreiben Menschen eine Güterabwägung; in der Regel zu ihren eigenen Gunsten. Insekten stehen dabei auf verlorenem Posten. Gefolgt von Würmern und Schlangen. Erkenntnisse eines Kammerjägers.

13.00 Uhr: Den Tod wählen
Die Selbsttötung ist in der Schweiz erlaubt. Gleichzeitig unterliegt sie strengen Auflagen. Eine Herausforderung für alle, die daran beteiligt sind. Der Weg zum finalen Entscheid ist oft schwierig, für alle Involvierten. Ein Vorstandsmitglied von Exit gibt Auskunft.

14.00 Uhr: Richten
Am Anfang der biblischen Menschheitsgeschichte steht ein Mord. Oder war es Totschlag, als Kain den Abel erschlug? Zu entscheiden, welcher Kategorie eine Tötung zuzurechnen ist, ist die grosse Herausforderung jeder Gesellschaft. Begegnung mit einer Strafgerichtspräsidentin.

Autor/in: Bernard Senn, Moderation: Franziska von Grüningen