HörPunkt-Archiv 2011

Die HörPunkt-Sendungen aus dem Jahr 2011.

Joseph Roths «Radetzkymarsch»

Joseph Roths «Radetzkymarsch» gehört zu den tragenden Säulen europäischer Literaturgeschichte. Mit der Geschichte von Aufstieg und Fall des Leutnants Carl Joseph von Trotta, dessen Grossvater als «Held von Solferino» in die Annalen eingegangen ist, entwirft Joseph Roth einen einzigartigen und sprachgewaltigen Abgesang auf das Habsburgerreich.

Der Schauspieler Michael Heltau findet in der integral bei Diogenes erschienen Lesung einen Ton, der seinesgleichen sucht und verhilft damit Joseph Roths literarischer Könnerschaft zu einem ganz und gar neuen Glanz.

150 Jahre Italien - ein Grund zum Feiern?

Der bärtige Garibaldi mit Mütze. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Giuseppe Garibaldi, der italienische Freiheitskämpfer, in einer Aufnahme von 1866. zVg

Vor 150 Jahren vereinigten die beiden grossen italienischen Staatsmänner Benso Cavour und Giuseppe Garibaldi das zersplitterte Italien, verjagten die Besatzungsmächte der Habsburger und der Bourbonen und schränkten die Macht der Päpste ein. Seit Römerzeiten war damit die Halbinsel erstmals wieder vereinigt.

Doch das Bel Paese leidet noch heute unter den damaligen Konstruktionsfehlern: Die Italiener im Norden wollen mit denen aus dem Süden nichts mehr zu tun haben. Sie empfinden sich dank ihres Reichtums als Melkkuh der Nation. Die im Süden indes fühlen sich von jenen im Norden verraten und noch immer ausgebeutet.

Und als ob das nicht schon genug wäre, funkt die katholische Kirche immer wieder in den Gang der Dinge rein. Nicht zu vergessen die ur-italienischen Krankheiten: Mafia, Korruption und Vetternwirtschaft. Eine Bestandsaufnahme.

Freiwilligenarbeit

Ein älterer Mann mit Schirmmütze befestigt ein Wanderweg-Zeichen an einem Baum. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Viele Tätigkeiten werden ohne Lohn geleistet - etwa der Unterhalt von Wanderwegen. Keystone

Sie tun es einfach so. Umsonst oder für Gottes Lohn, aus Freude, weil sie gerne helfen, weil sie Arbeit nicht nur als Lohnarbeit verstehen, weil es Sinn stiftet und da und dort sogar die Welt verbessert. Die Schweiz steht beim freiwilligen Engagement im europäischen Vergleich sehr gut da: Fast ein Drittel aller Menschen in unserem Land leistet formelle Freiwilligenarbeit. So kommen 700 Millionen Stunden pro Jahr zusammen.

Dieses Engagement ist wirtschaftlich hoch relevant. Was in Sportverbänden, Jugendvereinen, in den Landeskirchen oder im Gesundheits- oder Sozialbereich etwa durch das Rote Kreuz aus freien Stücken getan wird, ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Aber es ist nur gut die Hälfte von dem, was frei und willig getan wird. Das informelle Engagement ist noch verbreiteter.

Im europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011 ist das alles einen HörPunkt lang der Rede wert.

Paarlauf

Eiskunstläuferpaar: Sie schwingt sich über seine Schultern. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Eng umschlungen und verbandelt - das Paar. Reuters

Vielleicht das perfekte Bild für ein perfektes harmonisches Zusammenspiel: Der Paarlauf, der gemeinsame, fast schwebende Tanz auf dem Eis. Wenn etwas professionell so gut funktioniert, dann tut es das manchmal auch privat und umgekehrt. Es entsteht eine doppelte Partnerschaft. Für viele schwer vorstellbar.

Ist es nicht bereits genug Herausforderung, z.B. eine langjährige Ehe zu führen? Muss das Paar dann auch noch beruflich verbunden sein? Oder umgekehrt: Ist es nicht riskant, die perfekte berufliche Zusammenarbeit durch eine private Liaison zu gefährden?

Im Hörpunkt porträtieren sich fünf Paare gleich selbst. Dahinter stehen fünf verschiedenen Geschichten und fünf verschiedene Formen des kreativen Zusammenwirkens: Von der engen, langjährigen Kooperation bis hin zur beruflich-privaten Totalfusion.

Opus Zoo

Flusspferd mit offenem Maul im Wasser. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Tierwelt entdecken im Zoo. pbuergler/flickr.com

Der Zoo ist eine faszinierende Erlebniswelt. Deshalb geht der Hörpunkt in den Zolli Basel und fragt: Wie klingt Zoo?

Am Vormittag geht es in Reportagen und Gesprächen um Futter und Fortpflanzung, um Paarung und Nagelpflege. Neben dem Alltag der Tiere, der TierpflegerInnen, Tierärzte und KuratorInnen interessiert uns der Zoo auch als ein Ort des Nachdenkens: Wir bitten interessante Personen auf die Parkbänkli im Zoo zum Gespräch und redet mit ihnen über Fragen, über die sich im Angesicht der Tiere besonders gut nachdenken lässt: übers Leben, über die Liebe und die Schöpfung.

Am Nachmittag kommt einer zu Wort, der die akustischen Seiten des Zolli Basel kennt wie kein anderer: der Komponist Fritz Hauser. Im Gespräch erzählt er über sein Werk «Fantasia Zolliologica», eine Komposition von Tierstimmen und Klängen aus dem Zoologischen Garten Basel, die den Abschluss des Hörpunkts «Opus Zoo» bildet.

Kind of Blue - Miles Davis Revisited

Miles Davis spielt Trompete. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Miles Davis bei einem Auftritt am Montreux Jazz Festival 1988. Keystone

Am 26. Mai wäre Miles Davis 85 Jahre alt geworden, und am 28.September jährt sich sein Todestag zum 20. Mal. Zwei Jahrzehnte nach Miles ist seine Musik noch immer präsent. Aber der Blick auf sein Werk hat sich möglicherweise auch etwas verändert.

Die Jazzredaktion fragt nach, und lässt dazu diverse Leute zu Wort kommen: ehemalige Sidemen von Miles aber auch jüngere Musiker, die den grossen Trompeter nicht mehr live erleben konnten; dazu Jazzforscher und Fachleute, die sich mit dem riesigen Œuvre näher auseinandergesetzt haben.

Schwerpunkte bilden in diesem Programm das legendäre Quintett der 60er Jahre und die daran anschliessende Phase, als Miles den Jazz elektrifizierte und damit ein breiteres Publikum im wahrsten Sinne des Wortes elektrisierte.

Töne aus dem Reisekoffer

Ein Koffer steht auf dem Schotter zwischen Bahnschienen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wenn Musiker eine Reise tun... Colourbox

Egal ob mit Kutsche oder Flugzeug, damals wie heute – die meiste Zeit eines Musikerlebens geht fürs Reisen drauf. Das kann lästig sein, muss es aber nicht. Und überhaupt: die Musik Europas würde heute gänzlich anders tönen, wenn sich nicht immer wieder Menschen über die eigenen Grenzen hinaus bewegt hätten.

Unzählige Geschichten sind’s, die sich rund um die Musik und das Reisen erzählen lassen. Wir tun’s. Einen ganzen klangvollen Tag lang. Es geht um Operndiven und ihre kuriosen Reisegewohnheiten. Wir staunen über die gewaltige Logistik hinter den Kulissen, um Pepe Lienhard mit seinem Show-Orchester jeden Abend woanders auf die Bühne zu bringen.

Wie lebt es sich als reisender Strassenmusiker in der Schweiz? Was bringt eine promovierte Biologin dazu, mit ihrem Fan-Club Claudio Abbado hinterher zu reisen? Wir heften uns an die Spuren von Felix Mendelssohn und wandern mit ihm quer durch die Schweiz vom Genfer- bis an den Bodensee.

Heimatland! - Was ist Heimat?

Zwei Sängerinnen und ein Sänger im Trachtenkostüm. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Trachten und Traditionen - Sinnbilder der Heimat? Keystone

Ist Heimat ein Ort? Ein Land oder das Haus, in dem man aufgewachsen ist? Was hat Heimat mit Herkunft, Sprache, Identität oder Religion zu tun? Lässt sich in Freundschaften, der Familie oder im Hobby ein Stück Heimat finden? Ist Heimat ein Gefühl, das man festhalten kann oder ist es so flüchtig wie ein Klang oder ein Geruch? Kann man nur Heimweh haben, wenn man eine Heimat hat?

Am 2. August suchen wir nach Antworten und befragen u.a. einen Psychoanalytiker, warum «Heimweh» früher «Schweizerkrankheit» hiess und eine Diplomatin, was ihr das Vater- oder Mutterland bedeutet. Menschen mit nichtschweizerischer Herkunft und Schweizer Pass erzählen, was sie mit Heimat und Fremde assoziieren.

Tatort Wissenschaft

Ein Mann mit Panamahut gräbt in der Erde. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auf Spurensuche im Untergrund. Colourbox

Wissenschaft überschreitet Grenzen. Das muss sie. Sonst ist sie keine. Wer forscht, will durchdringen, was noch nie gedacht wurde, will Gebiete betreten, wo noch nie jemand war, will ausprobieren, was noch kein anderer entwickelt hat. Doch Wissenschaft ist nicht a priori gut. Sie kann auch Schaden anrichten.

Die Wissenschaftsredaktion besichtigt Tatorte. Berichtet von kriminellen, nachlässigen und naiven Forschern. Fragt, warum Wissenschaftler zu Tätern und ihre Forschungsgebiete zur Gefahr werden. Diskutiert, wie wissenschaftliche Erkenntnisse missbraucht werden und wer die Verantwortung dafür trägt.

«In dr Kischte»

Ein Wärter trägt einen Schlüsselbund. Im Hintergrund ein Gang mit einer Gittertür. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Besuch hinter Gittern. Colourbox

Gefängnisse geraten in die Schlagzeilen, wenn sie in politische Angstkampagnen passen. Maya Brändli und Felix Schneider porträtieren dagegen den ganz normalen Alltag in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg – und der ist erstaunlich genug.

Ein Gefängnis ist eine Zwangsgemeinschaft, ein Treibhaus engster menschlicher Beziehungen, ein mittlerer Grossbetrieb, eine streng bewachte Sicherheitszone. Zu Wort kommen Gefangene, Gefängnisangestellte und Betreuer. Ausserdem erfüllen wir Musikwünsche der Gefangenen und Mitarbeiter.

Die Kunst der Improvisation

Planen ist gut, Improvisieren ist besser. Wir legen den roten Teppich für Musikerinnen und Musiker, die nicht nach Noten spielen. Die vielmehr auf den Moment setzen, auf ihre Erfahrung und den Dialog mit anderen. Sie kommen live ins Studio für kurze Werkstattgespräche, hoffentlich lange Improvisationen und Begegnungen mit anderen. Von traditionell bis experimentell geht’s durch den Tag.

Good News

Ein älterer Mann liest Zeitung und lächelt, In der rechten Hand hält er eine Gabel mit Essen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wenn Zeitungslektüre Freude bereitet. Colourbox

2011 wird wohl als dramatisches Jahr in die Geschichte eingehen: Als Jahr mit der Atomkatastrophe von Fukushima als Auftakt und einer veritablen Weltwirtschaftskrise als Ausklang. Wir setzen ein «Trotzdem» zum Jahresende und sammeln «good news», aus diesem Jahr: von Korrespondentinnen und Korrespondenten, von Redaktorinnen und Redaktoren, aus der Hörerschaft.

Zu hören sind diese «good news» einen ganzen langen Tag am Radio Und wir fragen nach: Weshalb verkaufen sich «good news» schlechter als bad news? Wie ist das in anderen Ländern, anderen Kulturen? Brauchen wir mehr «good news»? Oder reicht die Gewissheit: No news are good news! Übrigens: «good news» ist auch ein musikalisches Thema. Immer schon und durch alle Epochen hindurch.